Durm:Eisengerippe

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in Kapitel 8: Wände aus Eisen und Stein. (Eisenfachwerkbau.) - Inhaltsverzeichnis des Heftes


Inhaltsverzeichnis




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Allgemeines. (214.)

Das Eisengerippe wird entweder ganz aus Gußeisen oder ganz aus Schmiedeeisen bezw. Stahl oder aus Schmiedeeisen oder Stahl in Verbindung mit Gußeisen hergestellt. Gußeisen für sich allein kommt wohl kaum mehr in Anwendung; es war aber beim ersten Auftreten der fraglichen Bauweise der bevorzugte Stoff.

Die Anordnung des Eisengerippes ist ähnlich der des Gerippes einer Holzfachwerkwand, ist dieser sogar zuerst genau nachgebildet worden, wenigstens in Schmiedeeisen. Man kann daher die für letztere üblichen Bezeichnungen beibehalten. Das Eisengerippe besteht demnach aus wagrechten Stücken, den Rahmen, Riegeln und Schwellen, von denen die letzteren oft wegfallen, aus lotrechten Stücken, den Ständern, und aus schrägen Stücken, den Streben oder Bändern. Zur Befestigung dieser Teile unter sich sind in der Regel besondere Hilfsstücke notwendig;



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dies ist ein wesentlicher Unterschied zwischen Holz- und Eisengerippe, auch wenn sie sonst ganz ähnlich gebildet sind. Diese Hilfsstücke, sowie die Ständer werden mitunter aus Gußeisen angefertigt, während für die anderen Teile zumeist das Schmiedeeisen gewählt wird.

Eine gut konstruierte Holzfachwerkwand soll in sich selbst die genügende Sicherheit gegen Formveränderungen der Gefache bieten und darin nicht auf die Mitwirkung der Gefachausfüllung angewiesen sein. Man wendet deshalb bei ihnen möglichst aus einem Stücke hergestellte Schwellen und Rahmen, sowie die Streben an. Dieselbe Anforderung ist auch an eine Eisenfachwerkwand zu stellen; bei dieser vielleicht noch mehr, da zu den Ursachen der Formveränderung — Winddruck, Senkungen im Grundmauerwerk — hier noch die Ausdehnung durch die Wärmeerhöhung hinzutritt. Diese ist bei langen Wänden nicht unbeträchtlich, da zweckmäßigerweise die Rahmen aus einem Stücke hergestellt oder doch wie zu einem solchen verbunden werden. Die aus der Ausdehnung, bezw. Zusammenziehung sich ergebende Kraft wirkt an Hebelsarmen, die der Ständerlänge entsprechen, wenn nur Ständer das Gerippe der Wand zwischen Schwelle und Rahmen bilden, auf die Verbindungen an den Enden derselben, denen diese allein häufig nicht gewachsen sind. Noch größere Beanspruchungen dieser Art erwachsen aus dem auf die Stirnseiten der Gebäude und auf die Dächer wirkenden Winddruck, sowie aus Senkungen des Grundmauerwerkes458).

Daraus ergibt sich die Zweckmäßigkeit der Anordnung von Dreieckverbänden in der Richtung der Wand. Am größten wird die Sicherheit, wenn Verkreuzungen zwischen allen Ständern angeordnet werden. Dies muß auch dann von Vorteil sein, wenn man die Absicht hat, den Widerstand der Wände gegenüber Feuersbrünsten möglichst lang dauernd zu machen oder dabei zu verhindern, daß sie anderen mit ihnen in Verbindung stehenden Wänden schadenbringend werden. Die zur Herstellung dieser Verkreuzungen notwendigen schräg laufenden Konstruktionsstücke sind nun für die Ausfüllung der Gefache zum Teile unbequem, und sie erschweren die architektonische Ausbildung der Wände bei sichtbar bleibendem Eisen, sowie das Anbringen von Thüren in den Scheidewänden. Deshalb läßt man sie häufig ganz weg oder schränkt sie in der Zahl möglichst ein, wie beim Holzfachwerkbau, und vertraut auf die Hilfe der Ausmauerung und die Festigkeit der Verbindungen. Man ist daher berechtigt, die Eisenfachwerkwände in vollständige, welche Streben oder Bänder enthalten, und in unvollständige, ohne solche, einzuteilen.

Bei den Eisenfachwerkwänden sind die Rahmen und Schwellen gewöhnlich so stark, daß man ihnen Biegungsspannungen zumuten kann, die sich aus kleinen Senkungen der Untermauerung ergeben. Dies trifft jedoch nicht zu, wenn man umfangreichere Senkungen zu befürchten hat oder wenn die Wände nur an den Enden unterstützt, also frei schwebend sind. In solchen Fällen sind die Eisenfachwerkwände immer als vollständige auszuführen. Das Gleiche erscheint zweckmäßig, wenn man von durchlaufenden Schwellen abzusehen und die Ständer einzeln zu gründen veranlaßt ist.

Diese Einzelgründung der Ständer findet sich vollständig durchgeführt, meist ohne besondere Rücksicht auf Anwendung eines Windverbandes, bei der Bauweise der neueren nordamerikanischen, außerordentlich hohen Wohnhäuser (Sky-scrapers) mit aus

458) Die Durchführung der Berechnung der Ständer eiserner Wandfachwerke mit Rücksicht auf den Winddruck gibt Gensen in: Zeitschr. d. Ver. deutsch. Ing. 1898, S. 69, 88. ^




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Stahl hergestellten Gerippen. Bei diesen gehen die Ständer durch, und die Rahmen werden zwischen dieselben zum Tragen der dünnen Füllungswände eingeschaltet. Hier macht sich die Längenänderung der Gerippeteile infolge der Wärmeschwankungen namentlich in der Höhenrichtung geltend, wogegen man sich durch vollständige Ummantelung des Eisens durch Mauerwerk zu schützen sucht. Die Herstellung so hoher Gebäude entspricht unseren deutschen Verhältnissen nicht, weshalb auf diese amerikanische Bauweise, obwohl sie vielfach der Beachtung sehr wert ist, in nachstehendem nicht näher eingegangen werden soll. Wir verweisen auf die unten angegebenen Quellen459).

Vorkehrungen, welche eine der Ausdehnung durch Wärmeerhöhung entsprechende Bewegung der Konstruktion ermöglichen, sind bis jetzt nur ausnahmsweise getroffen worden.

Auch die Eisenteile müssen gegen dauernde Einwirkung von Feuchtigkeit gesichert werden; insbesondere sind Ansammlungen von Wasser zwischen ihnen zu verhüten. Zur Vermeidung dieser sog. Wassersäcke empfiehlt es sich, die Flansche der wagrecht und schräg verlaufenden Profileisen an den Außenseiten der Umfassungswände immer nach abwärts zu richten.

Grafik: Fig. 386, Fig. 387, Fig. 388 1/50 w. Gr.


Vollständige Eisenfachwerkwand. (215.)

Die vollständige Eisenfachwerkwand ist durch die Anordnung von Streben oder Bändern gekennzeichnet, welche Formveränderungen der Gefache in der Längenrichtung der Wand zu verhindern bestimmt sind. Häufig lehnt man sich dabei eng an das Vorbild der Holzfachwerkwand an, wie das in Fig. 386 bis 388

459) Zeitschr. d. öst. Ing.- u. Arch.-Ver. 1892, S. 440; 1893, S. 396, 422, 497, 521. — Zeitschr. f. Bauw. 1895, S. 217. — Baugwksztg. 1896, S. 1195. — Zeitschr. f. Bauhdw. 1897, S. 41, 89, 145. — Birkmire, W. Skeleton construction in buildings. 2. Aufl. New-York 1897. ^




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gegebene Beispiel aus Wiesbaden zeigt460). Der Unterschied besteht eigentlich nur in der Verwendung von Eisen anstatt Holz und in der Verbindungsweise der Teile.

Fig. 387 u. 388 geben näheren Aufschluß über die Ausführung dieses Bauwerkes. Das Eisenfachwerk ist 1/2 Stein stark mit Backsteinen (Verblendern) ausgemauert, und dem entsprechend sind die Querschnittsmaße der Eisenteile gewählt worden. Die Schwelle des untersten Stockwerkes, sowie die Fenster-, Brust- und Sturzriegel sind von {[}-Eisen, Rahmen, Ständer und Streben von {I}-Eisen. Die Verbindung der Teile erfolgt durch aufgenietete, bezw. aufgeschraubte Winkellaschen. Die Balken der Zwischendecken sind zwischen die Flansche der Rahmen passend eingeschnitten und werden noch durch an die Ständer und Streben angenietete {L}-Eisen unterstützt. Das Eisenwerk ist außen sichtbar gelassen; nur die Fenster haben hölzerne Umrahmung erhalten.

Sehr abweichend von einem Holzfachwerkbau ist in seiner Erscheinung das von J. Saulnier in Noisiel auf vier Strompfeilern der Marne über dem Wasser errichtete Gebäude der Chokoladenfabrik von Ménier (Fig. 389 bis 396461).

Die Umfassungswände des 58m langen und 18m tiefen, dreigeschossigen Gebäudes, sowie die in zwei Reihen gestellten inneren Stützen der Zwischendecken ruhen auf 72cm hohen Blechkastenträgern. Die Langwände haben über jedem Strompfeiler in 2,12m Abstand zwei und über der Mitte der freien Spannweite, in 4,24m Abstand von den ersteren, je einen Ständer. Dieselben gehören nicht allein zum Gerippe der Wand, sondeern haben auch die Kastenträger an ihren Enden zu unterstützen, welche die {I}-förmigen Balken der Zwischengebälke tragen. An den freischwebenden Ecken ist außer dem Eckständer noch ein Ständer angeordnet. Diese Ständer, sowie die Diagonalenkreuze sind außen sichtbar (Fig. 389). Die Wände sind in verschiedenfarbigen Ziegeln hergestellt, und zwar in einer äußeren Schale aus Verblendsteinen von 11cm Dicke in Flachschichten und einer inneren von 6cm Dicke aus hochkantig verlegten Steinen. Beide Schalen sind durch besonders gebrannte Steine von 18cm Breite, der Richtung der Diagonalen folgend, in Verbindung gebracht. Diese Binder sind grau, während die äußeren Steine sonst einen gelben Grundton bilden, von welchem sich die Umrahmungen der Fenster, die Sockelschichten, der obere Abschluß und einige andere Teile in lebhaften Farben, zum Teile in Emailmalereien, abheben (Fig. 390). Innen sind die Wände geputzt.

Die Ständer (Fig. 391) bestehen aus vier unter sich und mit einem eingeschobenen Blechstreifen vernieteten ungleichschenkeligen {L}-Eisen. Die äußeren derselben haben zwischen sich ein {T}-Eisen, dessen Flansch über das Mauerwerk greift; zwischen die inneren ist dagegen ein Flacheisen mit Rundstab eingeschaltet, welches zur Bildung der zum Auflager der Deckenträger dienenden Konsolen verwendet ist (Fig. 389). Fig. 392 gibt einen Schnitt der Deckenträger am Ende der Konsolen.

Die Diagonalen werden durch {I}-Eisen von ungleicher Flanschenbreite und 14cm Höhe gebildet, die nur in der äußeren Mauerschale liegen. Sie sind mit den Ständern in der in Fig. 393 dargestellten Weise verbunden.

Die Fensteröffnungen sind mit {[}-Eisen umrahmt und mit den Diagonalen in Verbindung gebracht (Fig. 394). Ueber den Fenstern laufen innerhalb der inneren Mauerschale {T}-Eisen und in der Höhe der Fensterbänke {#(BOL)}-Eisen hin (Fig. 394). Lotrechte {T}-Eisen sind an der Innenseite der Wand (Fig. 395) auch zwischen den weiter voneinander entfernten Ständern, als untergeordnete Zwischenständer, aufgestellt und an den Kreuzungspunkten der Diagonalen mit diesen mit Hilfe von Blechplatten verbunden.

Die diagonal gestellten Eckständer haben den in Fig. 396 wiedergegebenen Querschnitt.

Beispiele von vollständigem Eisenfachwerk in dem Eisen Rechnung tragender Anordnung zeigen der von Seestern-Pauly errichtete Panoramabau an der Theresienstraße zu München (Fig. 397462)), sowie die Außenwand des ausgekragten Ganges eines Schulhauses zu Levallois-Perret (Fig. 398463)).

Ganz abweichend von der Konstruktion einer Holzfachwerkwand gestaltet sich die Eisenfachwerkwand, wenn an Stelle von in die Wandausfüllung eingefügten Streben diagonale Bänder vor dieselbe gelegt werden, wie dies in ausgedehnter

460) Nach: Wiener Bauind.-Ztg., Bd. 4, S. 412. ^
461) Nach: Encyclopédie d'arch. 1874, Pl. 173; 1877, Pl. 451, 464. ^
462) Nach den vom Architekten freundlichst mitgeteilten Plänen. ^
463) Nach: Encyclopédie d'arch. 1883, Pl. 848. ^




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Grafik: Fig. 389 Ménier'sche Chokoladenfabrik zu Noisiel462). Arch.: Saulnier. ca. 1/100 w. Gr.


462) Nach den vom Architekten freundlichst mitgeteilten Plänen. ^



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Grafik: Fig. 390 Ménier'sche Chokoladenfabrik zu Noisiel462). Arch.: Saulnier. ca. 1/100 w. Gr., Fig. 391 1/20 w. Gr., Fig. 392 1/20 w. Gr., Fig. 393 1/40 w. Gr., Fig. 394 1/40 w. Gr., Fig. 395 1/20 w. Gr., Fig. 396 1/20 w. Gr.


462) Nach den vom Architekten freundlichst mitgeteilten Plänen. ^



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Grafik: Fig. 397 Panorama zu München462). 1/500 w. Gr.

Weise bei der in Fig. 399 bis 403464) in Teilen dargestellten Revisionshalle des Hauptsteueramtes zu Duisburg in Anwendung gekommen ist.

Die Langseiten dieses im Jahre 1887 vollendeten Gebäudes ruhen auf Gitterträgern, welche unter den Hauptständern durch Steinpfeiler gestützt werden, mit denen diese verankert sind (Fig. 399). Die Felder zwischen den Hauptständern sind 5m lang und sind, mit Ausnahme derjenigen Abteilungen, in welchen sich die Thore befinden, durch einfach aus {T}-Eisen (Fig. 402) hergestellte Zwischenständer in zwei gleiche Hälften geteilt. Auf den Gitterträgern ruhen die Lagerhölzer der Fußbodendielung, und über dieser bilden zwei {L}-Eisen die Schwelle der 1/2 Stein stark aus Backsteinen hergestellten Wände, welche der Höhe nach durch einen aus {[}-Eisen gebildeten Riegel in ungleiche Teile getrennt sind. Die unteren, höheren Felder haben auf beiden Wandseiten sich kreuzende diagonale Bänder, die oberen dagegen nur auf der inneren Seite Zugstangen mit Spannringen (Fig. 402). Diese oberen Felder beginnen und endigen mit wagrechten Winkeleisen. Die Hauptständer bilden mit den Dachbindern zusammen Dreigelenkträger und sind nach der Mitte hin durch zwischen {[}- und {L}-Eisen eingelegte Blechplatten verstärkt. Sie sind unter den Gelenkbolzen abgerundet, so daß auf den Unterlagsplatten eine pendelnde Bewegung möglich ist (Fig. 403).

Grafik: Fig. 398 Von einem Schulhause zu Levallois-Perret463). 1/200 w. Gr.


Aehnlich in ihrem äußeren Ansehen ist die Giebelwand gestaltet (Fig. 401); doch sind in derselben alle Ständer gleichartig aus {I}-Eisen gebildet, mit Ausnahme der Eckständer, welche aus zwei {[}-Eisen bestehen. Diese letzteren sind durch einen Schraubenbolzen mit einer gußeisernen Platte fest verbunden, welche bei

462) Nach den vom Architekten freundlichst mitgeteilten Plänen. ^
463) Nach: Encyclopédie d'arch. 1883, Pl. 848. ^
464) Nach den freundlichst vom Erbauer, Herrn Regierungsbaumeister Ossermann in Berlin, zur Versügung gestellten Plänen. ^




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Grafik: Fig. 399 Von der Revisionshalle des Hauptsteueramtes zu Duisburg465). 1/100 w. Gr.


Grafik: Fig. 400465) 1/10 w. Gr.

dem einen Eckständer sich, entsprechend der Ausdehnung durch die Wärme, auf der Unterlagsplatte verschieben kann (Fig. 400); bei dem anderen ist diese Bewegung durch einen Stift verhindert. In der zweiten mit Diagonalen versehenen Felderreihe wird das Mauerwerk oben und unten, sowie auf beiden Seiten durch Flacheisen gefaßt. Zur Versteifung gegen den Winddruck schließen sich an die Schwelle und die beiden Rahmen wagrecht gelegte Windträger an.

Die Wandausmauerung soll in einem sehr gut wirkenden Muster ausgeführt sein. Die Eisenkonstruktion muß als eine sehr sachgemäß durchgebildete bezeichnet werden; auch soll sie sich bis jetzt, trotz der überstarken Benutzung des Gebäudes, vollkommen bewährt haben.

Dieselbe Anordnung von diagonalen Bändern ist für einzelne Wandfelder bei dem Moorbäderbereitungsgebäude in Bad Elster angewendet worden.

Dieses Gebäude wurde in Eisenfachwerk ausgeführt, weil es im Winter und auf Moorboden hergestellt werden mußte und Holz nicht angewendet werden durfte. Es ist im Lichten 18,63m lang und 10,73m tief; das Untergeschoß ist 5,15m im Lichten, das ganze Gebäude 10,65m bis zum Scheitel des Wellblechdaches hoch. Das Eisenfach-


465) Nach Mitteilungen des Erbauers, Herrn Geh. Baurat Waldow in Dresden, in: Deutsche Bauz. 1886, S. 313. ^



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Grafik: Fig. 401 Von der Revisionshalle des Hauptsteueramtes zu Duisburg465). 1/50 w. Gr.


werk erhebt sich auf einem 0,5m hohen, auf Beton gegründeten Granitsockel und besteht aus {|_|}. und {I}-Eisen mit 1/2 Stein starker Ausmauerung. An der hinteren Seite ist das Eisenwerk unverhüllt; an der Vorderseite hat es dagegen eine einfache Eisengußverkleidung erhalten465).


Unvollständige Eisenfachwerkwand. (216.)

Bei der unvollständigen Eisenfachwerkwand sieht man von der Anwendung von Streben oder Bändern ab.

465) Nach Mitteilungen des Erbauers, Herrn Geh. Baurat Waldow in Dresden, in: Deutsche Bauz. 1886, S. 313. ^




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Grafik: Fig. 402464) 1/50 w. Gr., Fig. 403464).1/10 w. Gr


Fig. 404 bis 407 zeigen eine ältere Ausführung dieser Art466).

Auf der Sockelmauer liegt eine Schwelle aus Flacheisen (140mm breit, 10mm stark), auf welcher die Ständer mit Winkellaschen (Fig. 405) befestigt sind. An den Ecken gehen die nach Fig. 406 aus zwei {I}- und einem {L}-Eisen zusammengesetzten Ständer durch die ganze Höhe des zweistöckigen Gebäudes durch. Die Zwischenständer haben nur ein Stockwerk Höhe; sie bestehen aus {I}-Eisen von 120mm Höhe und 45mm Breite und sind zwischen den aus zwei {I}-Eisen von 80mm Höhe gebildeten Rahmen hindurch mit Laschen verbunden (Fig. 407). Die Rahmen sind an ihren Enden an den Eckständern befestigt und haben die aus {I}-Eisen bestehenden Gebälke zu tragen. Die 50cm hohe Kniestockwand des Daches hat ebenfalls kurze Ständer von 80mm hohen {I}-Eisen, welche oben durch ein flach gelegtes {I}-Eisen von gleichen Maßen verbunden sind. Eben solche dienen zum oberen Abschluß der Thür- und Fensteröffnungen. In den nicht von Oeffnungen durchbrochenen Wandflächen sind zur Verriegelung dienende wagrechte Zugbänder, aus je zwei Quadrateisen von 10mm Stärke bestehend, angeordnet. In ähnlicher Weise, wie die Umfassungswände, sind auch die Scheidewände gestaltet.

Die beim Beispiel in Fig. 404 zur Anwendung gekommenen Verbindungen müssen als unzureichend bezeichnet werden und können den Mangel an Streben nicht ersetzen. Wie dieselben besser hergestellt werden können, wird später gezeigt werden.

Die Anwendung der unvollständigen Eisenfachwerkwände ist zwar hauptsächlich der bequemeren Ausfüllung der Gefache und der leichteren formalen Behandlung wegen eine häufigere, als die der vollständigen; sie kommt aber oft auch dann vor, wenn größere Teile der Wandflächen zu verglasen sind (so bei Ausstellungsgebäuden, Markthallen u. s. w.). Man sucht hier oft der Konstruktion durch Anordnung einzelner besonders steif und fest gestalteter Ständer mehr Sicherheit zu geben, so daß man ein System von Haupt- und Zwischenständern erhält. So sind übrigens auch in Fig. 404 die Eckständer als Hauptständer behandelt. Die Anwendung eines solchen Systemes kann aber auch durch die Rücksicht auf die Anordnung der Dachbinder oder der Hauptträger von Zwischengebälken gerechtfertigt sein, wie das Beispiel des Fabrikgebäudes von Noisiel (Fig. 389, S. 234) zeigte. Auf die Anordnung von Haupt- und

464) Nach den freundlichst vom Erbauer, Herrn Regierungsbaumeister Ossermann in Berlin, zur Versügung gestellten Plänen. ^
466) Nach: Romberg's Zeitschr. f. prakt. Bauk. 1873, S. 113. ^




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Grafik: Fig. 404466) 1/100 w. Gr.

Zwischenständern wird bei der nunmehr vorzunehmenden Besprechung der Einzelteile der Eisenfachwerkwände zurückzukommen sein.


Schwelle. (217.)

Die Schwelle ruht bei den ganz unterbauten Wänden in ihrer ganzen Länge auf dem Sockelmauerwerk auf. Ist dieses gut gegründet, so werden Senkungen desselben nur in geringem Umfange und gleichmäßig eintreten, so daß die Schwelle keinen Biegungsspannungen ausgesetzt ist und daher geringe Querschnittsabmessungen erhalten kann. Sie dient dann nur zur Erzielung eines Längenverbandes und zur bequemen Befestigung der Ständerfüße. Man läßt in solchen Fällen die Schwelle wohl auch ganz weg und ersetzt sie durch Fußplatten der Ständer, welche mit dem Grundmauerwerk mitunter verankert werden.

So sind die Grundplatten der 15m hohen eisernen Eckständer des Sedanpanoramas auf dem Alexanderplatz in Berlin durch 2m lange eiserne Bolzen mit dem Mauerwerk verankert467).

Eine umständliche Verankerung der Ständer machte sich besonderer Verhältnisse halber bei den Ständern der Eisenfachwerkwände mehrerer Haltestellen der Berliner Stadtbahn nothwendig468).

Grafik: Fig. 405, Fig. 406, Fig. 407 1/10 w. Gr.


Zumeist muß man aber auf nicht ganz gleichmäßiges Setzen der Grundmauern rechnen, so daß dann die Anwendung eines Flacheisens für die Schwelle, wie in Beispiel Fig. 404, nicht genügen kann.

Sehr häufig bedient man sich für die Schwelle flach gelegter {[}-Eisen, deren Flansche das Füllmauerwerk umfassen; auch {L}-Eisen kommen in Anwendung, desgl. flach gelegte {I}-Eisen, wenn sie auf Eisen, z. B. von Gebälketrägern, gelagert werden können. Muß die Schwelle, wegen zu erwartender Beanspruchung auf Durchbiegen

466) Nach: Romberg's Zeitschr. f. prakt. Bauk. 1873, S. 113. ^
467) Siehe: Centralbl. d. Bauverw. 1884, S. 114. ^
468) Vergl. Teil III, Bd. 1 (S. 183 [2. Aufl.: S. 196 u. 197]) dieses »Handbuches« — sowie Zeitschr. f. Bauw. 1885, S. 464 u. Taf. 13. ^




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oder wegen nur teilweiser Unterstützung, tragfähiger werden, so verwendet man hochkantig gestellte {I}-Eisen oder aus Blech- und Winkeleisen hergestellte {I}- oder Kastenträger.

Grafik: Fig. 408469) 1/50 w. Gr.

Letztere kamen bei dem schon besprochenen Ménier'schen Fabrikgebäude zu Noisiel in Anwendung. Kasten- und {I}-förmige Blechträger wurden auch beim Bahnhoßgebäude zu Saint-Étienne benutzt. Dieses mußte auf einem von ausgebeuteten Kohlenberg- werken unterwühlten Gelände errichtet werden und war daher voraussichtlich größeren Senkungen ausgesetzt. Um die Wirkungen derselben eintretendenfalls wieder beseitigen zu können, sind in ausgesparten Nischen der Grundmauern unter den Wandständern Erdwinden angebracht (Fig. 408469)). Sie kamen bald nach Vollendung des Gebäudes in Gebrauch. Die eine Hälfte desselben hatte sich im Mittel um 25cm, die andere auf einer Seite um 21cm gegen 2cm auf der gegenüberliegenden gesenkt. Ohne Unterbrechung des Dienstes und ohne irgend einen Schaden für die Wandbekleidungen und Decken konnte das 120m lange Gebäude wieder in seine frühere Höhenlage gebracht werden.

Zu demselben Zwecke wurden Erdwinden schon früher (1878) von Kunhenn in Essen angewendet. Sie wirken auf über Pfeiler gelegte sich kreuzende {I}-Eisen, über welchen erst die {[}-förmige Wandschwelle folgt470).

Als man sich noch ängstlich an das Vorbild der Holzfachwerkbauten anschloß, ordnete man auch in den oberen Stockwerken Schwellen an. Solche sind aber meist zu entbehren und können durch die Wandrahmen ersetzt werden, wie dies ja selbst bei Holzfachwerkwänden oft geschieht.

Zweckmäßig dürfte für gewöhnlich die Verankerung der Schwelle mit dem Sockelmauerwerk sein.


Rahmen. (218.)

Zur Bildung der Wandrahmen verwendet man vorzugsweise einfache oder doppelte {I}-Eisen, insbesondere wenn sie die Auflager für die Deckenbalken mit zu bieten haben. Diese können entweder an ihren Seiten befestigt (vergl. Fig. 387, S. 232) oder über sie gelegt (Fig. 404, S. 240) werden. Bei hölzernen Balkenlagen verwendet man zum Rahmen der Mittelwände wohl auch {|_|}-Eisen, füllt sie mit Holz aus und kämmt auf dieses die Balken auf (Fig. 409).

Recht bequem für die allerdings ohne Diagonalverband ungenügende Befestigung der Ständer sind die aus {Z}-Eisen gebildeten Rahmen (Fig. 410). Die Balken müssen hierbei an Umfassungswänden auf Winkeleisen gelagert werden, deren sichere Befestigung aber schwierig ist. Auch aus Blech und Winkeleisen hergestellte Kastenträger kommen in Anwendung.

So bei dem später zu besprechenden Hause, rue de l'aqueduc, Nr. 5, in Paris, von Paraire & Englebert.

Doppelte {I}-Eisen können durch umgelegte Bänder und zwischengestemmte Kreuzspreizen versteift werden (Fig. 411). Zur Verbindung derselben bedient man sich aber auch oft der Stehbolzen (Fig. 412), d. h. Schraubenbolzen, die durch ein

469) Nach: Encyclopèdie d'arch. 1886, S. 103 u. Pl. 1109. ^
470) Vergl. Teil III, Bd. 6 (S. 112) dieses »Handbuches«. ^




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Grafik: Fig. 409 1/20 w. Gr.

Gasrohr oder eine Blechhülse von einer Länge, die der Trägerentfernung entspricht, gesteckt sind, oder der in Kap. 13 zu besprechenden Gußeisenstücke mit Röhren für die Schraubenbolzen. Ist die Trägerentfernung durch andere Konstruktionsteile genügend gesichert, so wendet man zur Verbindung nur gewöhnliche Schraubenbolzen an.

Grafik: Fig. 410 1/20 w. Gr.


In der Regel bilden die Rahmen ein wichtiges Glied der Wandgerippe, namentlich bei den unvollständigen Eisenfachwerken. Auf ihnen und ihrer Ver-



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Grafik: Fig. 411, Fig. 412 1/10 w. Gr.


bindung mit den Ständern beruht dann außer auf der Steifigkeit der letzteren die Sicherheit gegen Formveränderung der Gefache der Wand.

Eine untergeordnetere Rolle spielen sie bei den vollständigen Eisenfachwerkwänden, wenn sie bei diesen nicht zur Unterstützung der Deckenbalken herangezogen sind. Man stellt sie dann wohl aus {T}- oder {#(BOL)}-Eisen her.

Bei dem Ménier'schen Fabrikgebäude zu Noisiel sind als Rahmen {T}-Eisen mit wagrechter Lage des Steges verwendet (Fig. 389, S. 234 u. Fig. 394, S. 235). Hier gehen die Ständer durch alle Stockwerke durch, und die Rahmen dienen nur zur Vervollständigung des Längenverbandes und zur Befestigung der Fensterumrahmungen.

Für den oberen Abschluß von Kniestockwänden benutzt man flach gelegte {I}- oder {[}-Eisen oder wohl auch {L}-Eisen (Fig. 413), auf welchen die eisernen oder hölzernen Dachsparren aufgelegt, bezw. befestigt werden.

Bei älteren Konstruktionen findet man auch gußeiserne Rahmstücke verwendet.

Grafik: Fig. 413 1/50 w. Gr., Fig. 414471) ca. 1/100 w. Gr.


So ist dies bei den 1864 vollendeten sechsstöckigen Warenlagerhäusern der Saint-Ouen-Docks zu Paris der Fall. Die außen als Säulen erscheinenden gußeisernen Ständer sind durch gußeiserne Rahmstücke, die an ihrer unteren Seite als flache Bogen gestaltet sind, verbunden (Fig. 414471)).

Grafik: Fig. 415, Fig. 416 1/10 w. Gr.


Walzeisenständer. (219.)

Für die Herstellung der Ständer verwendet man bei kleineren Verhältnissen der Bauwerke zumeist die verschiedenen üblichen Walzeisensorten, und zwar vorzugsweise {I}-, {[}- und {L}-Eisen; doch sind auch Zorès-Eisen (Fig. 415472)), die hierfür als besonders standfähig gelten können, sowie besondere Profile, wie das von Lauck (Fig. 416473)), in Vorschlag gekommen. Man wählt aber im allgemeinen gern diejenigen Walzeisensorten, bei welchen durch die Flansche der Anschluß der Ausmauerung, bezw.

471) Siehe: Builder, Bd. 23, S. 297. ^
472) Von Liger vorgeschlagen in: Gaz. des arch. 1872, S. 51. ^
473) Ebendas, 1872, S. 92. ^




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Ausfüllung gedeckt wird. In den Abständen geht man bis zu 2,5m; doch sind diese von zu vielen Umständen abhängig, um für alle Fälle gültige Angaben machen zu können.

Geeignet ist u. a. das schmalflanschige {I}-Eisenprofil Nr. 36 der Burbacher Hütte, welches 120mm hoch und 44mm breit ist bei 5,5mm Stegdicke und 10kg Gewicht für 1m. Bei größeren Belastungen kann man Nr. 7a verwenden (125mm hoch, 75mm breit, 6mm Stegdicke und 14,5kg Gewicht für 1 lauf. Met.).

Grafik: Fig. 417, Fig. 418 1/10 w. Gr.

Um die Ständer steifer zu machen, stellt man sie oft aus mehreren Walzeisen zusammen, namentlich aus zwei {I}-Eisen. Sie können in diesem Falle in der durch Fig. 417 dargestellten Weise mit kurzen Blechhalbcylindern und Schraubenbolzen verbunden werden474). Besonders steif ist die von Boussard475) angegebene Verbindung von drei {I}-Eisen (Fig. 418), die mit Hilfe von Schraubenbolzen bewirkt wird.

Hatte der eben erwähnte Ständerquerschnitt große Steifigkeit in der Richtung der Wandlänge, so besitzt der von Oppermann eingeführte (Fig. 419) solche senkrecht zur Wand. Er wird dadurch für die Anwendung bei Hallenbauten und für die Verbindung mit Dachbindern geeignet.

Grafik: Fig. 419 1/10 w. Gr.


Derselbe wird aus zwei {I}-Eisen gebildet, welche durch Schraubenbolzen miteinander verbunden sind und durch eingeschaltete gußeiserne Rahmen in der richtigen Entfernung gehalten werden. Zwischen dieselben sind vor die Wandfluchten vorspringende Eisenbahnschienen eingeschoben, um die Querschnittsfläche zu vergrößern. Sie wurden gewählt, weil sie billiger zu beschaffen waren, als Fassoneisen; sonst können zu demselben Zwecke auch {I}- oder {T}-Eisen verwendet werden.

Angewendet wurde diese Konstruktion beim Bau der Markthalle von Lisieux476). Die Ständer haben vom Sockel ab 5,65m Höhe und stehen in Entfernungen von 5,60 bis 4,29m. Sie ruhen auf einzelnen in den Sockel vermauerten Fußplatten und sind in das Grundmauerwerk hinein durch viereckige, eingeschobene Gußeisenrohre (tubes d'enracinement) verlängert.

Aus mehreren Walzeisen zusammengesetzte Querschnitte werden in der Regel auch für die Eckständer nötig.

Grafik: Fig. 420, Fig. 421, Fig. 422, Fig. 423 1/10 w. Gr.

Ein Beispiel dafür wurde schon in Fig. 406 (S. 266) gegeben; andere einfachere Anordnungen sind in Fig. 420 u. 421 dargestellt, von denen die erstere jedenfalls für Herstellung der Ecken in Mauerwerk nicht sehr geeignet ist. Die einfachste Eckbildung würde ein {L}-Eisen gestatten (Fig. 422); doch kommen auch dia-

474) Siehe: Revue gén. de l'arch. 1879, S. 101. ^
475) Siehe: Moniteur des arch. 1882, S. 48 u. Pl. 21. ^
476) Nach: Nouv. annales de la constr. 1879, S. 82 u. Pl. 23–24. ^




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Grafik: Fig. 424, Fig. 425, Fig. 426, Fig. 427, Fig. 428, Fig. 429 1/10 w. Gr., Fig. 430


gonal gestellte {I}-Eisen in Anwendung (Fig. 423). Den Oppermann'schen Eckständer zeigt Fig. 424.

Auch Bundständer kann man aus {I}- und {[}-Eisen zusammensetzen (Fig. 425). Gewöhnlich begnügt man sich aber mit einem oder zwei {I}-Eisen, an welchen die Verriegelung befestigt wird (Fig. 426 u. 427). Mitunter kommt gar kein eigentlicher Bundständer in Anwendung; sondern der Anschluß wird in der in Fig. 428 angegebenen Weise bewirkt.

Für Thür- und Fensterständer benutzt man {L}-, {I}- und besonders {[}-Eisen. Die lezteren werden mitunter nach dem Lichten der Oeffnung zu mit einem {L}-Eisen ausgestattet, um einen Anschlag für den Rahmen zu gewinnen (Fig. 429).

Lauck477) schlägt das in Fig. 430 wiedergegebene besondere Walzeisenprofil vor.

Die Verbindung der Ständer mit Schwellen und Rahmen wird in der Regel durch Winkellaschen bewirkt. Diese macht keine Schwierigkeiten, wenn die Rahmen aus flach gelegten Walzeisen bestehen (Fig. 431). Sie wird jedoch wegen der geringen Flanschenbreite der »Deutschen Normalprofile« schwierig, wenn die Rahmen aus hochkantig stehenden {I}-Trägern hergestellt sind, was bei balkentragenden Wänden notwendig ist.

Ist nur ein {I}-Träger vorhanden, so stehen die Ständer auf einer Seite über, und man sucht sich dann durch Anordnung einer besonderen Schwelle zu helfen, wie Fig. 387 (S. 232) zeigt. Sparsamer und besser ist jedoch die in Fig. 432478) dargestellte Verbindung, bei welcher der Rahmen den durch zwei Stockwerke gehenden Ständer durchdringt. Die Befestigung erfolgt durch beiderseits vorgeschlagene Keile. Ist es wegen zu bedeutender Stockwerkshöhe nicht möglich, den Ständer in einem Stück durch zwei Stockwerke durchzuführen, so kann man auch nach der in Fig. 433478) angegebenen Weise verfahren, die jedoch nur angängig ist, wenn das Eisenwerk nicht sichtbar bleibt.

Liegen zwei {I}-Träger nebeneinander, so ist eine unmittelbare Verbindung mit diesen nur möglich, wenn sie so weit voneinander entfernt sind, daß man Schrauben-

477) Siehe: Gaz. des arch. 1872, S. 92. ^
478) Nach: Lauter, W. H. & H. Ritter. Façoneisen und deren praktische Verwendung. Frankfurt a. M. ^




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Grafik: Fig. 431, Fig. 432478), Fig. 433478) 1/20 w. Gr.Fig. 434 1/20 w. Gr., Fig. 435479), Fig. 436479) 1/10 w. Gr.


478) Nach: Lauter, W. H. & H. Ritter. Façoneisen und deren praktische Verwendung. Frankfurt a. M. ^
479) Nach: Nouv. annales de la constr. 1871, Pl. 40. ^



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bolzen mit der Hand einführen kann, wobei die Bolzen wegen der geringen Flanschenbreite nur eine ungenügende Stärke erhalten können. Wenn in Rücksicht darauf die {I}-Träger dafür zu nahe bei einander liegen, so ist es nur ausführbar, die übereinander liegenden wagrechten Flügel der Winkellaschen des unteren und oberen Ständers durch einen Schraubenbolzen zu verbinden (Fig. 434 u. 435), was die Verschieblichkeit der Ständer nicht aufhebt.

Fig. 434 zeigt die Verbindung der Winkellaschen mit den Ständern durch Niete, Fig. 435 dagegen durch Schraubenbolzen; in letzterer Abbildung ist auch dargestellt, wie die beiden {I}-Träger des Rahmens durch einen eingelegten gußeisernen Ring und einen Schraubenbolzen in ihrem Abstande gesichert werden können479). Fig. 436 zeigt die Anwendung der oben besprochenen Verbindung der übereinander stehenden Ständer auf eine stumpfwinkelige Ecke479).

Grafik: Fig. 437480) ca. 1/20 w. Gr., Fig. 438481)


Für solche Fälle empfehlen sich daher die von Liger480) angegebenen gußeisernen Schuhe (Fig. 437), welche die Anordnung von quer durch die Rahmen gesteckten Schraubenbolzen gestatten und so eine festere Verbindung der Ständer mit den Rahmen ermöglichen.

479) Nach: Nouv. annales de la constr. 1871, Pl. 40. ^
480) In: Gaz. des arch. 1872, S. 52. ^
481) In: Dictionnaire des termes employés dans la construction etc. Paris 1881. Teil 3, S. 522, Art.: Pan. ^




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Grafik: Fig. 439481), Fig. 440482), Fig. 441483), Fig. 442483)


Grafik: Fig. 443483) 1/50 w. Gr.


Die aus doppelten {I}-Eisen gebildeten Ständer werden mehrmals verspreizt und verbolzt und in Abständen von etwa 2m aufgestellt. Fig. 438 zeigt nach der Mitteilung Chabat's481) ein Stück einer so gebildeten zweistöckigen Außenwand mit etwas anders geformtem Schuh (Fig. 439) und mit Verwendung derselben Ständer auch für die Fensteröffnungen, während Liger sie nur in den Pfeilern zwischen den Oeffnungen und etwas entfernt von den Ecken angewendet wissen will.

Liger hat ähnliche gußeiserne Schuhe auch für aus Zorès-Eisen gebildete Ständer konstruiert (Fig. 440482)).

Zur Verbindung übereinander folgender, aus gekuppelten {I}-Eisen gebildeter Ständer sowohl unter sich, als auch mit den ebenfalls aus gekuppelten {I}-Eisen be-

481) In: Dictionnaire des termes employés dans la construction etc. Paris 1881. Teil 3, S. 522, Art.: Pan. ^
482) Nach: Gaz. des arch. 1872, S. 51. ^
483) Nach: Revue gén. de l'arch. 1879, S. 100 — bei den Scheidewänden des von Paraire & Englebert konstruierten Hauses, rue de l'Aqueduc Nr. 5, in Paris. ^




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stehenden Rahmen sind auch die in Fig. 441 u. 442 dargestellten, aus Flacheisen gebogenen Stücke in Anwendung gekommen483).

Fig. 441 zeigt die zwei zusammengehörigen gabelförmigen Verbindungsstücke für sich allein, Fig. 442 dagegen im Zusammenhange mit den {I}-Eisen. Da dieselben nur durch die Bolzen, welche die {I}-Eisen des Rahmens zusammenhalten, in Beziehung zu einander treten, so können sie auch einzeln Verwendung finden. Es wird hiervon Gebrauch gemacht, wenn die Ständer nicht lotrecht übereinander stehen, wie in Fig. 443 mit angegeben ist.

Die beste Verbindung übereinander folgender Ständer unter sich und mit den aus gekuppelten {I}-Eisen bestehenden Rahmen gestatten jedenfalls die von Boussard aus drei {I}-Eisen zusammengestellten (vergl. Fig. 418, S. 244).

Diese Anordnung zeigen Fig. 444 bis 446484). Die Verbindung der übereinander stehenden Ständer wird dadurch eine so innige, daß das mittlere {I}-Eisen, durch den Rahmen hindurchgehend, von Mitte zu Mitte der Stockwerkshöhen reicht und dort verlascht ist (Fig. 446), während die beiden anderen {I}-Eisen durch die Rahmen begrenzt sind.

Grafik: Fig. 444484), Fig. 445484) 1/20 w. Gr., Fig. 446484)


Sollen die aus gekuppelten {I}-Eisen gebildeten Ständer ununterbrochen durch mehrere Stockwerke hindurchreichen, so kann man ähnlich, wie für einfache Ständer in Fig. 432 (S. 246) gezeigt wurde, auch hier die Verbindung mit den aus einfachen {I}-Eisen gebildeten Rahmen herstellen.

Fig. 447 u. 448 geben eine solche beim Bau von Militärpferdeställen in Montigny bei Metz485) angewendete Verbindung für die Binderständer, welche 4,8m voneinander entfernt stehen und aus zwei {I}-Eisen von Profil Nr. 37 der Burbacher Hütte (140 × 47 × 6mm) hergestellt sind. Durch diese werden die in ihrer Länge der Binderentfernung entsprechenden und unter der zwischen Trägern gewölbten Zwischendecke und unter der Sparrenlage des Holzcementdaches angeordneten Rahmen von Profil Nr. 36

483) Nach: Revue gén. de l'arch. 1879, S. 100 — bei den Scheidewänden des von Paraire & Englebert konstruierten Hauses, rue de l'Aqueduc Nr. 5, in Paris. ^
484) Siehe: Moniteur des arch. 1882, Pl. 21 — ferner: La semaine des constr., Jahrg. 11, S. 246. ^
485) Nach: Zeitschr. f. Bauw. 1889, S. 499 u. Bl. 64. ^




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Grafik: Fig. 447485) 1/25 w. Gr., Fig. 448485) 1/10 w. Gr., Fig. 449485) 1/10 w. Gr.

der Burbacher Hütte (120 × 44 × 5,5mm) durchgesteckt und an ihnen mit Keilen befestigt (Fig. 448). Der Querverband des Gebäudes wird durch aus {#(BUM)}-Eisen bestehende, an den Ständern und den zwischen diese gelagerten Deckenträgern befestigte Bügen gebildet. Zur Verbindung dieser mit den Ständern sind zwischen letztere kurze {[}-Eisenstücke eingeschaltet (Fig. 447 u. 449). Die 1/2 Stein stark ausgemauerten Wandfelder werden durch je zwei Zwischenständer von einfachen {I}-Eisen untergeteilt, welche neben die in 1,6m Abstand angeordneten Gewölbekappenträger gestellt sind. Die Ständer sind unten nicht durch eine Schwelle verbunden, sondern nur in den Sandsteinsockel eingelassen. Die Zwischenständer blieben sichtbar, während die Haupt- und Eckständer eine äußere, 38cm breite und 7cm starke Backsteinverkleidung erhalten haben, weil dem zwischen ihnen befindlichen, 1/2 Stein starken Mauerwerk sonst, und zwar besonders an den Ecken, kein genügender Halt gegeben werden konnte.

Nur die Endfelder der Eckbauten dieser Stallungen sind mit aus Flacheisen hergestellten und auf der Innenseite der Wand aufgelegten Zugbändern versteift worden.

Die Verbindung der Ständer mit den aus flachliegenden Walzeisen gebildeten Schwellen, Rahmen und Riegeln durch Winkellaschen läßt sich durch Auflegen von Knotenblechen verstärken, wie in Fig. 450 bis 452 dargestellt ist.

Grafik: Fig. 450486) 1/100 w. Gr.


Dieses Beispiel ist einer offenen Bahnhofshalle (zu Massy-Palaiseau) entnommen, deren Enden zur Anordnung von Aborten mit geschlossenen Wänden versehen werden mußten. Diese sind 6cm stark aus Backsteinen hergestellt486).

Diese Anordnung hat bei dem Wetter ausgesetzter Lage den Nachteil, daß die Zahl der Stellen, in denen Wasser sich ansammeln kann, durch die Knotenbleche vermehrt wird.

Ueber die Einzelheiten der Verbindungen von Eisenteilen an Ecken, Enden und Kreuzungen ist der vorhergehende Band (Abt. I, Abschn. 3, Kap. 3, 2. Aufl., S. 181) dieses »Handbuches« nachzusehen.


Genietete Ständer. (220.)

Mannigfaltige Ständerquerschnitte lassen sich durch Zusammennieten von Walzeisen und Blechstreifen oder von letzteren unter sich herstellen. Solche kommen namentlich für Ständer in Anwendung, die durch die Art der Deckenbildung stark in Anspruch genommen sind, wie dies beim Ménier'schen Fabrikgebäude zu Noisiel der Fall ist (vergl. Art. 215, S. 233), ferner für Ständer, die bei größerer Mauerdicke als 1/2 Stein durch mehrere Stockwerke hindurchreichen oder sehr hoch sind und in beträchtlichen Entfernungen stehen, dann bei Hallenbauten für die Haupt-

485) Nach: Zeitschr. f. Bauw. 1889, S. 499 u. Bl. 64. ^
486) Nach: Nouv. annales de la constr. 1885, S. 129 u. Pl. 39–40. ^




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Grafik: Fig. 451, Fig. 452486) 1/10 w. Gr.Fig. 453488) 1/10 w. Gr., Fig. 455488), Fig. 456488) 1/10 w. Gr., Fig. 457488)


Grafik: Fig. 454488)


ständer, und endlich, wenn das Eisen mehr in die Erscheinung treten soll, als dies durch die mageren Walzeisen allein möglich ist.

Ein Beispiel für den zweiten der erwähnten Fälle der Anwendung zeigen die Mannschaftsgebäude der Kaserne Louviers in Paris. Fig. 458487) gibt die Ansicht der Hauptseite eines solchen.

An den Umfassungswänden sind nur Eck-, Bund- und Fensterständer, sowie mit Eisen eingefaßte Mauerpfeiler verwendet. Fig. 453488) zeigt den Querschnitt eines Eckständers und Fig. 454 die Ansicht eines solchen und seiner Verbindung mit dem kastenförmigen Rahmen, der zugleich den Sturz der Oeffnungen bildet. Die nach außen gerichteten Seiten des Eckständers sind durch Blech geschlossen, die nach den Maueranschlüssen zu gerichteten haben nur Gitterstäbe zur Verbindung der Eck-{L}-Eisen. In Fig. 455 ist ein Bundständer, in Fig. 456 ein Fensterständer, in Fig. 457 die Verbindung zweier benachbarter Bund- und Fensterständer dargestellt. Bei den Fensterständern ist ein {L}-Eisen zur Bildung des Anschlages angeordnet.

Die Außenwände sind 25cm stark in Backsteinen aufgeführt und die Ständer ungefähr 12,4m hoch. Die Eisenkonstruktion wurde hier wegen der großen Oeffnungen und weiten Innenräume und mit Rücksicht darauf gewählt, daß wegen

486) Nach: Nouv. annales de la constr. 1885, S. 129 u. Pl. 39–40. ^
487) Faks.-Repr. nach: Encyclopédie d'arch. 1885, Pl. 1044. ^
488) Fig. 453 bis 457 nach: Nouv. annales de la constr. 1883, S. 173, Pl. 45, 46 — und: La semaine des constr., Jahrg. 8 (1883–84), S. 223. ^




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Grafik: Fig. 458 Mannschaftsgebäude der Kaserne Louviers zu Paris487). — 1/200 w. Gr. Arch.: Bouvard.


487) Faks.-Repr. nach: Encyclopédie d'arch. 1885, Pl. 1044. ^



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Grafik: Fig. 459 Pavillon des Ministère des travaux publics489). — 1/200 w. Gr. Arch.: de Dartein.,Fig. 460489) 1/20 w. Gr.


Grafik: Fig. 461489)


des beschränkten Bauplatzes möglichste Ersparnis an Mauermassen geboten war.

Ein gutes Beispiel der Verwendung genieteter Hauptständer und einfacher walzeiserner Zwischenständer bot der Pavillon des Ministère des travaux publics auf der Pariser Weltausstellung von 1878, von dem eine Hälfte des Grundrisses in Fig. 459 dargestellt ist489).

Die Eckständer A, Bundständer B und Hauptständer C (Fig. 460) sind aus Blechstreifen, {[}- und {L}-Eisen zusammengestellt und nach außen mit Zorès-Eisen ausgestattet, welche in gußeisernen Sockeln und eben solchen Konsolen zur Unterstützung der Dachrinne endigen (Fig. 462). Die inneren Haupt- und Bundständer haben diese Zorès-Eisen nicht. Die Zwischen- und Fensterständer (Fig. 460) sind aus {I}-, bezw. {[}-Eisen hergestellt, die zweifache Verriegelung und der obere Rahmen aus flach liegendem {I}-Eisen.

Die Ständer der Langseiten sind ungefähr 7,2m, die des Turmes über dem Eingange ungefähr 11,75m hoch. Der Turm geht über einem

489) Nach: Encyclopédie d'arch. 1879, S. 91 u. Pl. 597. ^




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Grafik: Fig. 462 Ministère des travaux publics490). Arch.: de Dartein. 1/50 w. Gr.

Umgange in ein achteckiges Ge- schoß über, dessen Ständer auf großen {I}-förmigen Blechträgern ruhen, welche auf die in Fig. 461 angedeutete Weise mit den unteren Eckständern verbunden sind.

Die Eckständer A wiegen 115kg, die Hauptständer C 85kg auf das laufende Meter. Die Ausmauerung ist 11cm stark aus verschiedenfarbigen und im Mittelteile der Hauptseite aus emaillierten Ziegeln hergestellt. In der Hauptsache war das Eisengerippe schon zu einem Gebäude der Ausstellung von 1876 in Philadelphia verwendet gewesen. Mit Rücksicht auf die Versendung hatte man an Stelle des Gußeisens die vorgeführte weniger zerbrechliche Schmiedeeisenkonstruktion gewählt, welche es auch gestattete, die fast 12m langen Turmständer aus einem Stück zu machen.

Aus Blechstreifen hergestellte Ständer wurden beim Bau des Pavillon des manufactures de l'état der Pariser Weltausstellung von 1889 verwendet491). Man beabsichtigte damit die Magerkeit der Erscheinung und die ungenügende Umrahmung der Backsteinausmauerung, welche die gewöhnlich bei kleineren Bauten benutzten Walzeisen dem Auge bieten, zu vermeiden.

Die Ständer bestehen aus zwei, 120mm voneinander entfernten und durch sich kreuzende Gitterstäbe (Fig. 463) verbundenen Blechstreifen von 150mm Breite und 5mm Dicke, welchen an den Rändern zur Verstärkung sowohl, als zum Schmuck 30mm breite und 3mm starke Flacheisen aufgenietet sind. In ganz gleicher Weise sind die Schwellen, Riegel und Rahmen gebildet und mit den Ständern durch Gußeisenplatten verbunden (Fig. 464 u. 465). Der profilierte Buckel an letzteren ist an den Stellen, wo sich an die Ständer die Konsolen der Dachvorsprünge ansetzen, zum Aufschrauben eingerichtet, um den betreffenden Verbindungsbolzen zu verdecken.

Die Ausmauerung ist 120mm stark und greift nur 1cm zwischen die Eisenbleche ein, um das Auseinandernehmen des Bauwerkes zu erleichtern. Die Ständerhohlräume wurden mit Sand gefüllt.

Die aus durchlochten Blechträgern gebildeten Dachbinder ruhen nicht auf den Ständern der Umfassungswände, die deshalb so leicht hergestellt werden konnten, sondern auf frei vor die Wände gestellten gußeisernen Säulen, welche mit jenen aber durch wagrechte Gußeisenstücke verbunden sind (Fig. 463 u. 466).

490) Faks.-Repr. nach: Chabat, P. La brique et la terre cuite. Paris 1881. Pl. 57. ^
491) Nach: Encyclopédie d'arch. 1889–90, S. 69. ^




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Grafik: Fig. 463 Pavillon des manufactures de l'état zu Paris491). Arch.: Clugniet. 1/50 w. Gr.


Erwähnung müssen hier noch die zur Bildung von Hohlwänden verwendeten genieteten Ständer finden, wofür die Bauten der Pariser Weltausstellung von 1889


491) Nach: Encyclopédie d'arch. 1889–90, S. 69. ^



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Grafik: Fig. 464 1/10 w. Gr., Fig. 465491) 1/9 w. Gr., Fig. 466491)


Grafik: Fig. 467 1/20 w. Gr.

mehrfache Beispiele boten. Die Wandflächen derselben wurden mit verschiedenartig hergestellten Platten geschlossen, namentlich mit solchen aus Cement oder Gips, worauf in Kap. 10 zurückzukommen sein wird. Die Hohlräume der Wände nutzte man zur Lüftung der Gebäude aus; auch kamen die durch dieselben bedingte beträchtliche Wanddicke und die dadurch ermöglichten tiefen Laibungen der Oeffnungen der architektonischen Wirkung zu statten.

Fig. 467 zeigt den Grundriß eines der Eckpfeiler des Pavillon du Chili, deren Wandflächen mit gefärbten Cementbetonplatten geschlossen waren. Die Wanddicke betrug 0,7m 492).

Wo die genieteten Ständer mit der Dach-

491) Nach: Encyclopédie d'arch. 1889–90, S. 69. ^




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konstruktion in unmittelbarer Verbindung stehen, ist die Bildung ihrer oberen Endigung ganz von der letzteren abhängig.

Grafik: Fig. 468, Fig. 469


Amerikanische Ständer. (221.)

Zu den genieteten Ständern gehören auch die bei den nordamerikanischen Riesengebäuden angewendeten, jetzt meist aus Stahl hergestellten. Von den mannigfaltigen Formen mögen hier nur die zwei gebräuchlichsten mitgeteilt werden, weil dieselben den an sie zu stellenden Forderungen am besten zu entsprechen scheinen und auch für unsere Verhältnisse sich gegebenenfalls zur Verwendung empfehlen. Dies sind die sog. Strobelsäule (Fig. 468) aus {Z}-Eisen mit und ohne Außenbleche, und die sog. Phönixsäule (Fig. 469), aus Quadranteisen zusammengesetzt.

Die Anforderungen, die man nach F. v. Emperger493) an eine gute Säule stellt, sind die folgenden:

»1) Das geringste Eisengewicht für denselben Grad der Sicherheit. Hierbei haben sich von den beiden Hauptrivalen die Strobelsäule in kürzeren Längen und schwachen Profilen, die Phönixsäule in langen Säulen mit großen Profilen als etwas überlegen erwiesen.

2) Leichte Beschaffung der Bestandteile in allen Abstufungen.

3) Geringe Herstellungskosten, also insbesondere wenig Nietarbeit, und zwar an der Säule selbst, wie an den zugehörigen Konsolen oder Knotenblechen.

4) Güte der Säule als Ganzes. Hierunter ist gemeint, daß die Säule sich nach dem Vernieten nicht leicht wirst, sondern gerade bleibt, daß die Verbindung der Säulen untereinander und die Verschwächung gegen das Dach zu leicht herzustellen ist.

5) Güte der seitlichen Anschlüsse. Dies bezieht sich zunächst darauf, daß die zur Kraftübertragung nötige Anzahl von Nieten bequem angebracht werden kann. Ebenso wichtig, wenn auch nicht immer so beachtet, ist der Umstand, daß die Last, bezw. der Auflagerdruck möglichst nahe an der neutralen Achse angreifen soll. Endlich mit Rücksicht auf die Montage, daß man bei etwaigen Aenderungen in den Plänen oder bei Umbauten auch nachträglich Verbindungen anbringen kann.

Grafik: Fig. 470493)

6) Leichtes Anbringen des Anstriches und leichte Bauüberwachung. Beiden sind geschlossene Profile bis zu gewissem Grade hinderlich.

7) Leichtes Anbringen der feuersicheren Hülle. Das Einbinden der Säule in die Mauer, bezw. die Pfeiler- und Säulenumhüllung verlangt eine Einschränkung im Querschnitt; dieser entspricht die Phönixsäule am besten, wenngleich nicht verkannt werden mag, daß die Strobelsäule in Außenmauern, wo in den beiden Hauptachsen auch verschiedene Trägheitsmomente wirken, vorteilhaft Verwendung finden kann.

Die bedeutenden Vorteile, welche die Strobelsäule im allgemeinen bietet, und von denen als besonders wichtig der Umstand angesehen werden kann, daß es möglich ist, die Träger von der Seite bis an das Mittelblech hereinzuführen (Fig. 470), gehen verloren, sobald man sich gezwungen sieht, den Querschnitt durch Außen-

493) Siehe: Zeitschr. d. öst. Ing.- u. Arch.-Ver. 1893, S. 498. ^




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Grafik: Fig. 471493)

bleche zu verstärken, und dies ist immer bei Lasten über 280t notwendig. Die Vorteile der Phönixsäule liegen im geringen Rauminhalt und in der einfachen Knotenblechverbindung (Fig. 471). Den sonst allgemein üblichen Konsoleverbindungen sind diese unmittelbaren Knotenanschlüsse gewiß überlegen. Dabei besteht der Grundsatz, kein Nietloch und keine Niete auf dem Bauplatz selbst herzustellen; dort werden nur Schrauben und Bolzen eingesetzt.«


Gußeiserne Ständer. (222.)

Neben dem Schmiedeeisen ist für die Herstellung der Ständer auch das Gußeisen bis in die neueste Zeit in Anwendung gekommen, und zwar hauptsächlich für solche, welche einen großen Querschnitt haben müssen, oder bei welchen man sich in bequemer Weise an die üblichen Architekturformen anschließen wollte. Auch bei ihnen wird zumeist darauf Rücksicht genommen, daß die Anschlußfugen des Mauerwerkes durch Flansche gedeckt werden. Nach außen erhalten sie dabei oft die Gestalt von Halbsäulen (Fig. 472).

So bei den 1864 errichteten Saint-Ouen-Docks in Paris (vergl. Art. 218, S. 243), wo sechs Stockwerke solcher Ständer übereinander folgen, welche im Säulendurchmesser von 246mm bei 25mm Eisendicke bis auf 146mm bei 13mm Wanddicke abnehmen. Die Säulen des untersten Geschosses sind 4m hoch, die übrigen ungefähr 3m; sie stehen in Entfernungen von 4m.

Grafik: Fig. 472, Fig. 473494) 1/20 w. Gr., Fig. 474494)

Rechteckig mit angegossenen Flanschen (Fig. 473 bis 477494) sind die Ständer der Markthalle von Grenelle (Paris), in ihrer ganzen Höhe an den Ecken, auf die Höhe des Mauerwerkes (2m über dem Fußweg) bei den mittleren ausgeführt, welche darüber an der Außenseite in Halbsäulen übergehen (Fig. 476).

Grafik: Fig. 475494) 1/20 w. Gr.

Die Ständer haben angegossene Fußplatten (Fig. 475 u. 477), welche in das Grundmauerwerk hinabreichen und mit diesem durch Steinschrauben verankert sind. Sie sind oben durch gußeiserne Stichbogen verbunden und, einschl. der Dachrinne, 7,65m hoch. Ihre Entfernung beträgt 4,00m; nur an den Ecken ist dieselbe 4,22m. Sie führen in ihrem Hohlraume das Regenwasser ab. Die Wand hat einen Hausteinsockel und ist in Backsteinen 11cm stark ausgeführt.

Rechteckig in der ganzen Höhe mit kurzen angegossenen Flanschen sind die pilasterartig gestalteten Ständer des schon erwähnten, von Paraire & Englebert erbauten Hauses rue de l'aqueduc in Paris (Fig. 478495)).

Die Straßenseite dieses Hauses ist 20,5m lang und 20,0m bis unter die Dachrinne hoch und hat sechs Stockwerke. Dieselbe ist durch die erwähnten Ständer in drei Abteilungen zerlegt, von denen die mittlere 6,0m von Mitte zu Mitte derselben mißt. Diese sind 22cm stark, während die

493) Siehe: Zeitschr. d. öst. Ing.- u. Arch.-Ver. 1893, S. 498. ^
494) Nach: Nouv. annales de la constr. 1869, S. 81 u. Pl. 39–42 — ferner: Moniteur des arch. 1867, Pl. 108, 118; 1868, Pl. 154. ^
495) Faks.-Repr. nach: Revue gén. de l'arch. 1879, S. 97 u. Pl. 26, 27. ^




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Grafik: Fig. 476494) 1/40 w. Gr., Fig. 477494)


sichtbare Breite von 50cm im I. Obergeschoß bis auf 40cm im V. Obergeschoß abnimmt. Sie haben eine den Stockwerkshöhen entsprechende Länge, sind frei mit Falzen aufeinander gesetzt und haben an ihrem oberen Ende eine kapitellartige Verbreiterung, die den als Kastenblechträgern gestalteten, sichtbar bleibenden Rahmen ein Auflager ohne weitere Verbindung bietet. An den Enden der Fassade sind die Rahmen eingemauert. Für die Fensteröffnungen sind gewalzte {[}-Eisen als Ständer eingeschaltet, welchen nach außen gußeiserne Halbsäulchen zur Verdeckung des Maueranschlusses angesetzt sind. Die Mauern sind 20cm stark aus Quadern hergestellt, die Fensterlaibungen nur 17cm tief. Die eisernen Deckenbalken ruhen auf an die Rahmen genieteten Winkeleisen und sind mit jenen durch Winkellaschen verbunden.

Grafik: Fig. 478495) 1/50 w. Gr.

Ebenfalls auf ihrer ganzen Höhe rechteckig, mit angemessenen Abänderungen für die Ecken, sind die Ständer der Markthalle von la Chapelle in Paris496). Dieselben haben aber keine angegossenen Flansche, sondern angeschraubte besondere {[}-förmige Teile zur Bildung des Maueranschlusses; auch sind gußeiserne {I}-förmige Zwischenständer angeordnet (Fig. 479 u. 480).

Die Hauptständer haben 6,15m Höhe; an den Langseiten sind sie 5,95m, an den Schmalseiten 5,792m von Mitte zu Mitte entfernt; sie sind oben durch Gitterträger und in der Mitte der Höhe durch gußeiserne Friese, deren ornamentale Durchbrechungen der Lüftung dienen sollen, verbunden; über letzteren sind die Wände verglast, darunter aus 11cm starkem Backsteinmauerwerk mit Hausteinsockel hergestellt. Auf letzterem stehen die nur für das Mauerwerk bestimmten Zwischenständer. Die Hauptständer sind zweckmäßigerweise nicht zur Wasserableitung benutzt. Für letztere sind besondere Abfallrohre angeordnet, was auf die Gestaltung des Ständerquerschnittes von Einfluß gewesen ist. Die Halle wurde 1884–1885 erbaut.

Die Ständer der Kapelle der Maison de force et de correction zu Rennes497) haben einen zusammengesetzten Querschnitt, der auf den Anschluß des Mauerwerkes keine besondere Rücksicht nimmt (Fig. 481). Der nach außen strebepfeilerartig vorspringende Teil ist kastenartig mit geschlossenen Wandungen und mit wagrechten inneren Verstärkungsrippen versehen; der innere Teil besteht in der Hauptsache aus einer durchbrochenen und ebenfalls mit Rippen verstärkten Mittelwand.

494) Nach: Nouv. annales de la constr. 1869, S. 81 u. Pl. 39–42 — ferner: Moniteur des arch. 1867, Pl. 108, 118; 1868, Pl. 154. ^
495) Faks.-Repr. nach: Revue gén. de l'arch. 1879, S. 97 u. Pl. 26, 27. ^
496) Nach: Nouv. annales de la constr. 1886, S. 38 u. Pl. 12–14. ^
497) Siehe: Encyclopédie d'arch. 1880, Pl. 642 u. 630. ^




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Grafik: Fig. 479497) Markthalle von la Chapelle zu Paris. — 1/100 w. Gr. Arch.: A. & C. Magne.,Fig. 480497) 1/40 w. Gr.

Die Fußplatten der Ständer sind mit dem Grundmauerwerk durch Steinschrauben verankert. Sie stehen ungefähr 4,6m voneinander entfernt und sind etwas über der Mitte der Höhe durch drei aufrecht stehende {I}-Eisen und etwas unter dem Beginn der Dachbinder, für welche auf dem inneren Teile eine wagrechte Aufstandfläche geschaffen ist, während der äußere noch weiter strebepfeilerartig aufragt, durch ein einfaches {I}-Eisen verbunden. Der untere Teil der hier von dreifach gekuppelten kleinen Fenstern durchbrochenen Wand ist 37cm stark aus Quadern hergestellt, der obere mit großen Fenstern 28cm stark aus Backsteinen. Die große Stärke der Ständer war offenbar durch die 14m weit gespannten halbkreisförmigen Dachbinder bedingt. Der äußere Teil der Ständer ist im Eisen frei sichtbar gelassen, der innere zum größten Teile verkleidet. Für die Regenwasserabführung sind den Ständern besondere Abfallrohre vorgelegt.

Die Form der oberen Endigung der Gußeisenständer ist vom Anschluß der Dachkonstruktion abhängig, wenn sie mit dieser in unmittelbare Verbindung treten, was bei mehreren der gegebenen Beispiele der Fall war.


Streben und Bänder. (223.)

Die Formveränderung der Wandgefache wird durch die in schräger Richtung verlaufenden Streben oder Bänder zu verhindern gesucht.

Sind solche Konstruktionsteile nur in der Richtung einer Diagonale der Wandgefache vorhanden, so können sie sowohl auf Zug, als auch auf Druck beansprucht werden und müssen demnach bei ihrer verhältnismäßig großen Länge mit Rücksicht auf genügende Knickfestigkeit berechnet werden, andererseits aber so mit den übrigen Konstruktionsteilen verbunden sein, daß diese Verbindungen den auftretenden Zugbeanspruchungen gewachsen sind. Die Streben werden in diesen Fällen den Ständern ähnliche Querschnitte zu erhalten haben.

Will man dagegen für diese Konstruktionsteile nur Zugbeanspruchungen haben, so muß man sie als sich kreuzende Diagonalen anordnen und kann dann Flacheisenbänder oder Rundeisenstäbe benutzen, wie das Beispiel Fig. 399 bis 403 (S. 237 bis 239) zeigte.


497) Siehe: Encyclopédie d'arch. 1880, Pl. 642 u. 630. ^



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Grafik: Fig. 481 Kapelle der Maison de force et de correction zu Rennes. — Arch.: A. Normand497).


497) Siehe: Encyclopédie d'arch. 1880, Pl. 642 u. 630. ^



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Grafik: Fig. 482, Fig. 483

Sie haben vor den in die Wand gelegten Streben, abgesehen vom geringeren Materialaufwand und von der für Schmiedeeisen geeigneteren Konstruktionweise, den Vorzug, die Ausmauerung der Wandgefache nicht zu stören.

Die Verbindung der Streben mit Schwellen, Rahmen oder Ständern erfolgt gewöhnlich durch Winkellaschen (Fig. 482 u. 483). Eine Verstärkung der Verbindung kann durch Anordnung von Knotenblechen erzielt werden (vergl. Fig. 393, S. 235). Die aus Flacheisen gebildeten Bänder werden an den Flanschen der anderen Konstruktionsteile mit Nieten oder Schraubenbolzen befestigt. Die in Fig. 484 dargestellte Verbindung dieser Art ist offenbar nur für geringe Beanspruchungen ausreichend. Verstärkt kann sie durch Hinzufügen von Knotenblechen werden (Fig. 485), womit aber, wie schon in Art. 219 (S. 250) bemerkt wurde, der Nachteil von schwer austrocknenden Wassersäcken verbunden ist, die durch sorgfältiges Ausfüllen mit Kitt oder Cement so gut wie möglich beseitigt werden müssen.

Durch Knotenbleche von etwas größeren Abmessungen können die Streben und Bänder mitunter ganz ersetzt werden. Sie haben ebenso, wie die aufgelegten Bänder, vor den innerhalb der Wanddicke angebrachten Streben den Vorzug, der Ausmauerung nicht hinderlich zu sein.

Grafik: Fig. 484 1/20 w. Gr.


Riegel. (224.)

Das Anbringen von wagrechten Riegeln zwischen den Ständern hat, wie bei den Holzfachwerkwänden, den Zweck, diese seitlich zu versteifen und die Felder



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Grafik: Fig. 485 1/20 w. Gr.

der Ausfüllung auf eine ihrer Stärke angemessene Fläche einzuschränken. Aus letzterem Grunde wird sie daher besonders für dünne Ausfüllungen, wie die 1/2 oder 1/4 Stein starke Ausmauerung in Frage kommen. Es werden hierfür Quadrateisenstäbe (vergl. das in Fig. 404, S. 240 dargestellte Beispiel), Flacheisen oder Blechstreifen genügen können, welche aber ungenügend sind, wenn eine Aussteifung der Ständer beabsichtigt wird. Dann benutzt man die üblichen Walzeisensorten, namentlich {#(BOR)}- und {#(PR)}-Eisen mit abwärts gerichteten Schenkeln.

Riegel aus Quadrateisenstäben und Flacheisen werden mit ihren umgebogenen Enden an die Ständer genietet oder geschraubt, solche aus Walzeisen gewöhnlich mit Winkellaschen, manchmal unter Hinzuziehung von Knotenblechen (vergl. Fig. 450, S. 250), befestigt.


Oeffnungen. (225.)

Für Thür- und Fensterriegel, wie für die diese Oeffnungen begrenzenden Ständer, verwendet man gern {[}-Eisen, bezw. unter Hinzufügen eines kleinen {L}-Eisens zur Bildung des Anschlages. Beispiele für die Anordnung von Oeffnungen sind schon mehrfach vorausgegangen.

Mitunter werden die Umrahmungen der Oeffnungen unabhängig von den Ständern gehalten. Sind dann auch die wagrechten Begrenzungsteile mit diesen als Riegel nicht in Verbindung gebracht, so müssen sie wenigstens ein Stück in das Mauerwerk hinein verlängert werden.

Fig. 486 bis 488 zeigen eine derartige mit Hilfe von Trapezeisen hergestellte Fensteröffnung498).

Besser ist es aber jedenfalls, die Riegel mit den Ständern zu verbinden.

Die in Fig. 489499) dargestellte Fensteranordnung der schon in Art. 219 (S. 249) erwähnten Militärpferdeställe zu Montigny bei Metz soll sich gut bewährt haben. Die Riegel der aus {L}-Eisen (50 × 50 × 5mm) gebildeten Fensterumrahmung wurden in der Weise bis an die Ständer verlängert, daß sich die wagrechten Schenkel der {L}-Eisen hinter die Flansche der Ständer schoben und die lotrechten sich gegen dieselben

498) Nach: Lauter, W. H. & H. Ritter. Façoneisen und deren praktische Verwendung. Frankfurt a. M. 1884. ^
499) Faks.-Repr. nach: Zeitschr. f. Bauw. 1889, Taf. 64. ^




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Grafik: Fig. 486498) 1/50 w. Gr., Fig. 487498) 1/10 w. Gr., Fig. 488498) 1/10 w. Gr.


lehnten, nachdem sie um ein entsprechendes Stück verkürzt worden waren. Die Rahmen wurden lose eingesetzt, nachdem die Fachausmauerung bis zu Sohlbankhöhe gediehen war, und erhielten lediglich durch die Einmauerung genügend festen Stand.


Mehrgeschossige Gebäude. (226.)

Grafik: Fig. 489499) 1/25 w. Gr.

Sowohl bei vollständigen, als auch bei unvollständigen Fachwerken kann der Aufbau mehrstöckiger Gebäude auf zwei Weisen erfolgen. Die Ständer haben entweder nur die Höhe eines Geschosses zur Länge, oder sie gehen durch mehrere Stockwerke hindurch. Im ersten Falle haben die Rahmen die Länge der ganzen Gebäudefront. Im zweiten Falle konstruiert man entweder ebenso, und die Rahmen kreuzen oder durchdringen die Ständer, oder die Rahmen werden in einzelnen Stücken zwischen die Ständer geschaltet. Die Rahmen sind wegen der Auflagerung


498) Nach: Lauter, W. H. & H. Ritter. Façoneisen und deren praktische Verwendung. Frankfurt a. M. 1884. ^
499) Faks.-Repr. nach: Zeitschr. f. Bauw. 1889, Taf. 64. ^



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der Deckengebälke und des Längenverbandes nicht entbehrlich. Dies ist jedoch zumeist der Fall mit den Schwellen der oberen Geschosse, wie schon in Art. 217 (S. 241) erwähnt wurde.

Beispiele für mehrgeschossige Gebäude sind im vorhergehenden schon mehrfach gegeben worden.

Grafik: Fig. 490500) 1/400 w. Gr., Fig. 491500) 1/200 w. Gr.


An den Enden unterstützte Wände. (227.)

Sind Wände über dem Hohlen auszuführen und sind die unter denselben angeordneten Träger nicht stark genug, um sie genügend zu unterstützen, so kann die Anordnung der vollständigen Eisenfachwerkwände benutzt werden, wenn keine Thüröffnungen anzubringen sind. Es ist hierbei nur noch mehr Sorgfalt auf die Bemessung und Verbindungsweise des Eisenwerkes zu verwenden, als bei durchgängiger Unterstützung der Schwelle. Sind Thüröffnungen anzulegen, so benutzt man dann wohl Anordnungen, welche denen der Hängewerkwände und aufgehängten Wände aus Holz und Eisen ähnlich sind.

Eine sehr ausgedehnte Anordnung dieser Art ist im Gasthof »Kaiserhof« zu Berlin ausgeführt worden500), wo über dem Speisesaal, einem freien stützenlosen Raume von 30,6m Länge und 13,6m Breite, in 3 Stockwerken 2 steinerne Längswände, 6 steinerne Querwände und 4 Decken herzustellen waren. Die Last derselben ruht auf 6 Trägergebinden (vergl. den Grundriß in Fig. 490), deren ungleichmäßige Belastung, bedingt durch die Einteilung der oberen Räume, die seitliche Lage der Mittelgänge und die zahlreichen Thüröffnungen in allen Wänden, in außergewöhnlicher Weise die Anordnung der Verbandteile erschwerte. Jedes Gebinde besteht aus 3 genieteten Blechträgern von 75cm Höhe mit 20cm Flanschenbreite, von denen die beiden unteren durch schmiedeeiserne Schrägbänder und Hängestangen mit dem dritten obersten, auf welchem ein gußeiserner Bock steht, verbunden sind (Fig. 491). Die Gangwände sind zwischen den Hauptgebinden auf 25cm hohen Trägern mit schrägen Zugbändern eingefügt. Die Thüren liegen zwischen den unteren Ansätzen der letzteren (Fig. 495). Fig. 492 bis 494 zeigen Einzelheiten der Anordnung.

Die Wände sind mit porigen Lochsteinen von 1,6kg Gewicht für das Stück ausgemauert. Die Deckenbalken liegen in der Richtung der Hauptträger.

Bemerkenswert war das Verhalten dieses zusammengesetzten Eisengefüges bei dem kurz nach der

500) Nach: Zeitschr. f. Bauw. 1877, S. 163–167. ^




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Grafik: Fig. 492500), Fig. 493500) 1/30 w. Gr.


Fertigstellung des Kaiserhofes ausgebrochenen Brande, welcher gerade in diesem Teile des Gebäudes am meisten wütete. Dasselbe hatte sich trotz der Rotgluthitze, welcher die Eisenteile ausgesetzt waren, so gut gehalten, daß in der Hauptsache nur diejenigen der Gangwände erneuert werden mußten501).

Grafik: Fig. 494500), Fig. 495500) 1/200 w. Gr.


Die Wände lassen sich auch nach Art der Gitterträger herstellen. Bei vorhandenen Thüren ist diese Anordnung über denselben zu treffen und der untere Wandteil anzuhängen. Zweckmäßig erscheint es, hierbei die schräg gerichteten Eisenteile in doppelter Lage anzuordnen, um zwischen ihnen, durch dieselben ungestört, mauern zu können.

500) Nach: Zeitschr. f. Bauw. 1877, S. 163–167. ^
501) Ein neues Beispiel von frei tragenden Wänden mit Streben vom elektrotechnischen Institut der technischen Hochschule zu Karlsruhe wird mitgeteilt in: Deutsche Bauz. 1898, S. 506. ^

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