Schluß der Wandflächen

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in Kapitel 6: Wände aus Holz und Stein. (Holzfachwerkbau.); vorheriges Unterkapitel: Durm:Holzgerippe. - Inhaltsverzeichnis des Heftes


Inhaltsverzeichnis




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Allgemeines. (163.)

Wie schon in Art. 146 (S. 132) besprochen, haben wir es bei den Holzfachwerkwänden zum Zwecke der Herstellung von geschlossenen Wandflächen mit einer Ausfüllung der Gefache durch feste oder fest werdende Stoffe zu thun. Zu diesen Aus-



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füllungen treten aber noch Verkleidungen hinzu — im Inneren der Gebäude fast immer, am Aeußeren häufig —, um den Schluß der Wandflächen zu vervollständigen. Diese Verkleidungen werden entweder nur dem Holzgerüste aufgehestet und dienen, an der Außenseite angebracht, in der Hauptsache zum Schutze der Wände gegen Feuchtigkeit und andere Witterungseinflüsse, weshalb sie in Kap. 12 zu besprechen sein werden, oder sie haben zwar ähnliche Dienste zu leisten, sind aber in eine engere Verbindung mit der Ausfüllung der Gefache gebracht und treten als steinerne Verblendungen oder als Putz der Wände auf.

Wir unterscheiden demnach in Bezug auf den Schluß der Wandflächen zwischen Ausfüllung der Fache, Verblendung mit Stein und Putz.


Ausfüllung der Gefache. (1)


Ausmauerung mit Backsteinen. (164.)

Die üblichste Ausfüllung der Wandgefache ist die mit Backsteinen, und zwar gewöhnlich 1/2 Stein, selten 1 Stein stark. Die Ausführung in 3/4 Stein Dicke ist beim deutschen Normalziegelformat nur mit Dreiquartieren im Binderverband möglich und auch nur dann, wenn solche von den Ziegeleien vorrätig gehalten werden. Für die 1/2 Stein starke Ausmauerung wird der Läuferverband, für die 1 Stein starke der Block- oder Kreuz- oder Binderverband gewählt, wenn die Wandgefache geputzt werden. Bleiben dieselben außen jedoch als Rohbau sichtbar, so kann man außer den genannten Verbänden auch einen figurierten anwenden, ebenso die Ausmauerung aus verschiedenfarbigen oder glasierten Steinen herstellen318). Für die 1/2 Stein starken Ausmauerungen werden sich besonders diejenigen figurierten Verbände empfehlen, deren Fugenlinien von der gewöhnlichen Lage abweichen, weil man so im stande ist, passende Anschlüsse an die die Wandfelder schräg durchkreuzenden Streben und Bänder zu erzielen. Bei den gewöhnlichen Verbänden wird man am besten fahren, wenn man mit dem regelmäßigen Verbande an den Ständern anfängt und die notwendig sich ergebenden Unregelmäßigkeiten an die schräg aufsteigenden Hölzer verlegt. Auf die Höhe der Wand, bezw. der Fache muß man immer mit einer Anzahl ganzer Schichten auszukommen suchen; verhauene sind zu vermeiden. Mittel zur Regelung hat man in der Bestimmung der Höhenlage der Riegel und in der Bemessung der Fugendicke.

Ein Uebelstand der Fachausmauerungen ist das infolge des Schwindens des Mörtels und Zusammentrocknens des Holzes eintretende Loslösen derselben von letzterem. Die an den Seiten der Ständer und Streben, sowie an den Unterkanten der wagrechten Hölzer sich bildenden offenen Fugen geben an den Umfassungswänden der Witterung unerwünschten vermehrten Zutritt in das Innere der Gebäude; sie befördern, durch die daselbst eindringende Feuchtigkeit, die Vergänglichkeit des Holzes und verunzieren das Aussehen, was namentlich auch an den Innenseiten der Umfassungen und an den Scheidewänden empfindlich sich geltend macht, da der Putz an der Rissebildung teilnimmt. Dies letztere öffnet auch manchem Ungeziefer geeignete Schlupfwinkel, wodurch die Fachwerkwände einen üblen Ruf sich erworben haben.

318) Beispiele von Gefachausmauerungen von älteren norddeutschen Fachwerkbauten finden sich u. a. in: Cuno & Schäfer, a. a. O. — Liebold, B., a. a. O. — Fleischinger, A. F. & Becker, W. A. Systematische Darstellung der Bauconstructionen. Die Mauerwerks- oder Steinconstructionen. Berlin 1862. — Essenwein, A. Norddeutschlands Backsteinbau im Mittelalter. Karlsruhe. Taf. XXIX. — Bötticher, C. Die Holzarchitektur des Mittelalters. Berlin. Taf. XXI. — Ueber die Verbände überhaupt, sowie die figurierten Verbände insbesondere vergl. den vorhergehenden Band (Art. 24 bis 33) dieses »Handbuches«, sowie die daselbst angegebenen anderen Quellen.



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Die Rissebildung infolge Mörtelschwindens könnte man vermeiden, wenn man zum Mauern Portlandcementmörtel benutzte; man würde dadurch auch die Menge von Feuchtigkeit, die dem Holz zugeführt wird, gegenüber dem Luftkalkmörtel herabsetzen.

Die Verwendung des Portlandcementes, sowie anderer Cemente für die Fachausmauerung ist aber bedenklich, weil diese wegen ihrer geringen Dicke so rasch austrocknet, daß dem Mörtel zu bald die für die Verfestigung unbedingt nötige Feuchtigkeit entzogen wird, abgesehen davon, daß dauernde Festigkeit auch nur sicher bei fortgesetzter Einwirkung von Feuchtigkeit zu erwarten ist, welche wenigstens bei Scheidewänden ganz wegfällt. Dagegen ist die Anwendung von Kalkcementmörtel oder sog. verlängertem Cementmörtel empfehlenswert, weil mit ihm die Uebelstände des Luftkalkmörtels vermindert, die Gefahren des reinen Portlandcementmörtels aber vermieden werden, auch eine größere Festigkeit der Ausmauerung als mit Luftmörtel und in kürzerer Zeit erzielt wird. Ueber das Vermauern der Backsteine ist übrigens in Kap. 2 nachzusehen.

Das Undichtwerden der Fachwerkwände infolge des Zusammentrocknens des Holzes läßt sich herabmindern, wenn man nur möglichst lufttrockenes Holz anwendet; ganz läßt es sich nicht vermeiden; dagegen kann man ausreichende Maßregeln gegen das Lockerwerden der 1/2 Stein starken Ausmauerungen, deren Standfestigkeit durch dasselbe gefährdet wird, treffen.

Grafik: Fig. 240 1/25 w. Gr.

Die üblichste, wenn auch nicht beste dieser Maßregeln ist das Ausspänen der Seitenflächen der Ständer (Fig. 240), wodurch Vertiefungen gebildet werden, in welche man entweder den zugehauenen Stein eingreifen läßt, oder nur die entsprechend verdickte Mörtelfuge. Das erstere ist zwar besser als das letztere, kommt aber in der Regel nicht in Anwendung, weil die Steine verkürzt werden und dadurch die Regelmäßigkeit des Verbandes gestört wird, was übrigens nur voll zutrifft, wenn die Entfernung der Ständer nach den Ziegelmaßen sich richtet. Eine Verspannung des Mauerwerkes sucht man durch Eintreiben dünner Holzkeile an den Ständern zu bewirken.

Grafik: Fig. 241, Fig. 242 1/25 w. Gr., Fig. 243

Diese Bauweise hat man zu verbessern gesucht, indem man die Ständer ausnutete und in die Nuten besonders geformte Steine eingreifen ließ (Fig. 241319)), welche als schmale Streifen das Mauerwerk seitlich begrenzen. Da hierdurch aber die Ständer noch mehr geschwächt werden als durch das Ausspänen und wegen der anzuwendenden Formsteine nur ausnahmsweise davon Gebrauch gemacht werden kann, so erscheint das andere Verfahren viel anwendbarer, wonach auf die Seitenflächen der Ständer dreieckige Leisten aufgenagelt werden (Fig. 242); diesen entsprechend haut man die Steine zu, so daß die Lage derselben gesichert ist.

Noch einfacher und doch erfolgreich soll dies erreicht werden, indem man

319) Nach: Breymann, G. A. Allgemeine Bauconstructionslehre. Teil I, 5. Aufl. Stuttgart 1881. S. 22 u. Taf. 8.



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große Nägel, etwa alle 4 Schichten, in Fugenhöhe seitlich in die Ständer einschlägt, so daß sie mit dem Kopfende etwa 8cm vorstehen, und dieselben vermauert320).

Zweckmäßig, aber sehr umständlich und oft unbequem ist das Aufnageln von die Fugen deckenden Leisten (Fig. 243).

Ueber die Behandlung der als Rohbau sichtbar bleibenden Fachausmauerungen, insbesondere das Ausfugen derselben, ist das in Kap. 2 Mitgeteilte zu vergleichen. Es wäre hier nur hinzuzufügen, daß es jetzt sehr üblich ist, die Ausmauerung hinter die Flucht des Holzwerkes zurückzusetzen, um die Kanten desselben abfasen zu können, wovon später noch die Rede sein wird.

Bei den älteren Holzbauten vermied man dies fast ausnahmslos und mit gutem Grunde. Namentlich die Vorsprünge der wagrechten Hölzer hindern den raschen Ablauf des Regenwassers und führen dasselbe dem Inneren des Holzes und den Zapfenverbindungen zu; bei den schrägen Hölzern ist das letztere in erhöhtem Maße der Fall. Es kann deshalb nur empfohlen werden, zu der alten Bauweise der mit dem Holzwerk bündigen Ausmauerung wieder zurückzukehren und einen Schmuck der Fachwerkbauten in anderer Weise herbeizuführen.

Grafik: Fig. 244, Fig. 245: 1/25 w. Gr.

Scheidewände, die recht dünn sein sollen, führt man wohl auch 1/4 Stein stark aus, wobei die gewöhnlichen Backsteine hochkantig vermauert werden. Diese Ausmauerung ist aber sehr wenig standfest, namentlich dann, wenn man Handsteine verwendet, weil bei diesen immer die Schmalseiten etwas schräg zu den Breitseiten gestellt sind. Bei den Maschinensteinen ist dies nicht der Fall. Zur Erhöhung der Standsicherheit ist jedoch auch hierbei eine Ueberdeckung der Gefachränder mit Leisten besonders wünschenswert. Ist das Holzwerk stärker als die 1/4 Stein starke Ausmauerung, so müssen diese Leisten in der in Fig. 244 angedeuteten Weise befestigt werden. Sollen dabei beide Seiten der Wand glatt geputzt werden, so muß man die eine derselben verschalen und berohren oder sie belatten.

Die Größe der Gefache für 1/4 Stein starke Ausmauerung hat man auf 1,0qm einzuschränken, während man bei 1/2 Stein Stärke bis zu 2,5qm geht.

Grafik: Fig. 246321) 1/25 w. Gr.

Handelt es sich darum, wie bei Wänden über dem Hohlen, das Gewicht derselben möglichst herabzumindern, so kann man, wenn dies die Holzstärke gestattet, von einer hohlen Ausmauerung von hochkantig gestellten Backsteinen (Fig. 245) in der Weise des sog. Kästelverbandes (vergl. Teil III, Band 1 dieses »Handbuches«, Art. 56, S. 52) Gebrauch machen. Eine solche ist ziemlich standfähig und kann, wenn ein Schutz gegen Witterungseinflüsse durch äußeren Behang oder Verschalung hinzugefügt wird (Fig. 246321)), auch bei

320) Siehe: Deutsche Bauz. 1884, S. 287.
321) Nach: Klette, B. Der angewandte Zementbau u. s. w. Halle a. S. 1889. S. 38.



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Umfassungswänden Benutzung finden. Bei großen Holzstärken, wie sie bei stark beanspruchten abgesprengten Wänden vorkommen, können für jede Seite der Ausmauerung besondere schmale Riegel verwendet werden.


Bimssandsteine und Korksteine. (165.)

Eine größere Herabminderung des Gewichtes der Ausmauerung läßt sich erzielen, wenn man an Stelle von Backsteinen die in Kap. 2 (Art. 35 u. 36, S. 44 u. 45) besprochenen Bimssandsteine (rheinische Schwemmsteine oder Tuffsteine) und Korksteine benutzt. Wegen der geringen Wärmeleitungsfähigkeit verdienen diese Stoffe auch Beachtung für die Herstellung von Umfassungswänden, wobei jedoch ein besonderer Schutz gegen Einwirkung der Feuchtigkeit notwendig ist. Da die Bimssandsteine 100mm dick sind, so lassen sich mit ihnen bequem bei hochkantiger Lage derselben dünne Scheidewände errichten.

Noch dünnere Wände lassen sich aber mit Hilfe der Korksteine herstellen. Diese sind 40, bezw. 65mm dick, so daß sie mit dem Putz eine Wanddicke von nur 50, bezw. 75mm liefern, deren geringe Wärmeleitungsfähigkeit besonders gerühmt wird.

Nach den Angaben der Fabrikanten322) ist die verhältnismäßige Wärmeleitungsfähigkeit von Wänden aus verschiedenen Stoffen die folgende: [Tabelle]

Grafik: Fig. 247 1/10 w. Gr.

Zum Festhalten der Korksteine an den Ständern dienen angeheftete, dreikantige Leisten, für deren Eingreifen die ersteren entsprechende Einschnitte mit der Säge erhalten (Fig. 247). Die Steine werden beim Vermauern mit den Fugenflächen in Gipsmörtel getaucht, mit möglichst offenen Fugen versetzt und nach Bedarf mit kleinen Holzkeilen verspannt. Vorteilhaft für die Raschheit und Güte der Arbeit ist es, die eine Seite der Wand vorübergehend mit Brettern zu verschalen und zwar so, daß die Korksteine etwa 5mm Vorsprung vor dem Holzwerk erhalten. Dieser Zwischenraum wird mit einer Mischung von Gips und möglichst viel zerkleinerten Korkabfällen gefüllt. Nachdem etwaige Unebenheiten der Wand mit flach angelegtem Fuchsschwanz beseitigt sind, wird dieselbe mit einem Mörtel, der zu gleichen Teilen aus Kalkmörtel und Gips besteht, glatt verputzt. Der gut in die offenen Fugen eingeworfene Mörtel gibt der Wand erst ihre Festigkeit.

Die 40mm dicken Korksteinwände stellt man auch nur mit einem Gerüst von 25mm dicken Latten her, welche in Entfernung von etwa 0,75m aufgestellt werden

322) Grünzweig & Hartmann in Ludwigshasen a. Rh.



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Grafik: Fig. 248 1/25 w. Gr.

(Fig. 248 u. 249). Nachdem man mit den Platten eine Höhe von etwa 0,75m erreicht hat, werden wagrechte Lattenstücke mit 2 Drahtstiften an den Ständern befestigt. Die Behandlung ist sonst, wie oben angegeben. Für die Thürständer und -Riegel muß stärkeres Holz genommen werden.

Nägel bekommen Halt in den Korksteinen, wenn man sie etwa 20mm unter dem Kopf mit einer kleinen Blechscheibe versieht (Fig. 250).


Ausmauerung mit Bruchsteinen. (166.)

Grafik: Fig. 249 1/10 w. Gr., Fig. 250

Eine Ausmauerung der Gefache mit Bruchsteinen kommt wohl nur da in Anwendung, wo Mauerziegel schwer zu beschaffen sind und wo das Bauholz so billig ist, daß es nicht darauf ankommt, ob die Holzstärken größer, als für Backsteinausmauerung nötig, genommen werden müssen; denn diejenige in Bruchsteinen erfordert eine Holzstärke von 18 bis 21cm.

Nach Gladbach323) kann man 15cm dicke Fachausmauerungen aus kleinen unregelmäßigen Feldsteinen auf beiden Seiten mit ebenen Flächen herstellen, wenn man die eine vorübergehend mit rauhen Brettern verkleidet und gegen diese anmauert.


Ausfüllung mit Beton- oder Kalksandmasse. (167.)

Grafik: Fig. 251 1/50 w. Gr.

Die Ausfüllung der Gefache mit Beton oder einem mageren Mörtel muß mit Hilfe von beiderseitig leicht anzunagelnden Brettern erfolgen, welche die Form bilden. Um das Einstampfen bewerkstelligen zu können, muß man hierbei aber entweder die Riegel und Strebebänder nur halb so stark wie die Ständer machen und abwechselnd auf der einen und anderen Seite der letzteren bündig legen, oder man muß, wenn man dünnere Wände bilden will, das obere Formbrett auf der einen Seite weglassen und diesen Teil des Faches von der Seite einfüllen und außen nachträglich während der Erhärtung der Masse glätten324). In unteren Gefachen würde man wohl auch so verfahren können, daß man die Riegel mit Schleifzapfen (Fig. 251) einsetzt, sie vor dem Einstampfen der Masse entfernt und dann wieder einfügt. Eine verbleibende Fuge müßte nachträglich gedichtet werden.

Die Fachwerkhölzer müssen, ähnlich wie die Ständer bei der Backsteinausmauerung, mit Nuten oder aufgenagelten Leisten versehen werden, um sie in ihrem Stande zu sichern.

Diese Bauweise ist eine ziemlich alte, da man sie in England an mittelalterlichen Fachwerkbauten angewendet findet; auch die Rydin'schen gegossenen Kalkmörtelhäuser sind zum Teile hierher zu rechnen. (Vergl. hierüber Art. 129, S. 112.)


Ausfüllung mit Gips. (168.)

In Paris füllt man die Zwischenräume der mit Holzfachwerk ausgeführten Wände in der Regel mit Gips aus, und man zieht diese Ausfüllungsweise der Ausmauerung

323) Der Schweizer Holzstil etc. Darmstadt 1868. S. 2. — Vergl. auch: Die Holzbaukunst der Schweiz. 2. Aufl. Zürich und Leipzig 1885. S. 68.
324) Ueber diese Verfahren ist Näheres mitgeteilt in: Engel, F. Der Kalk-Sand-Pisébau. Berlin. 3. Aufl. S. 60.



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mit Ziegeln vor, weil der Gips sich infolge seiner Ausdehnung beim Anmachen mit Wasser dicht an alles Holzwerk anschließt.

Um jedoch diese Ausdehnung etwas herabzusetzen, weil sie sonst die Thür- und Fensterständer zu stark beanspruchen würde, setzt man dem Gips bis zu 1/8 musique (vergl. Art. 144, S. 130) zu325). Die Entfernung der Ständer beträgt hierbei in der Regel 33cm, ein Maß, welches mit Rücksicht auf die Länge der für den Putz angewendeten Latten gewählt ist, bei stärker belasteten Wänden aber noch vermindert wird326); Riegel kommen nur bei hohen Wänden in Benutzung327).


Ausfüllung mit Gipsdielen. (169.)

Zur Ausfüllung des Holzwerkes leichter Zwischenwände benutzt man in neuerer Zeit auch die sog. Gipsdielen und Hartgipsdielen328), welche den Schilfbrettern von Giraudi & Co. in Zürich329) ganz gleich zu sein scheinen.

Grafik: Fig. 252 1/25 w. Gr.

Sie bestehen aus Gips, Kalk und Rohrstengeln, sind 2,5m bis 3,0m lang, 20 bis 25cm breit und für die Ausfüllung von Wandgefachen 7cm dick. Dieselben sollen an die 6cm starken und in der Dielenlänge entsprechenden Entfernungen aufzustellenden Ständer seitlich angenagelt werden (Fig. 252). Sie können auch in kürzere Längen zersägt werden, werden wagrecht verlegt, in Gipsmörtel gesetzt und dünn mit Gips verputzt. 1qm Gipsdiele von der angegebenen Dicke wiegt 50kg.

Grafik: Fig. 253 1/25 w. Gr.

Die Schilfbretter sollen nach Schindler-Escher330) das Einschlagen von Nägeln nicht vertragen; auch wird insofern vor ihnen gewarnt, als die Höhlungen der Schilfstengel kleinem Ungeziefer und gesundheitswidrigen Stossen gute Unterkunft gewähren sollen331). Das Gleiche wird also wohl auch für die Gipsdielen gelten, so daß die Anwendbarkeit dieser Baustoffe für den vorliegenden Zweck eine beschränkte sein dürfte. Es muß jedoch erwähnt werden, daß Schindler-Escher die Schilf- bretter, wie später noch zu besprechen ist, für die Verkleidung von hohlen Fachwerkwänden sehr empfiehlt.


Ausfüllung mit Spreutafeln. (170.)

Mit den Gipsdielen treten die noch neueren Spreutafeln 332) von Katz in Cannstatt in Wettbewerb.

Die Spreutafeln sind etwas leichter, als die Gipsdielen und Schilfbretter, da 1qm derselben bei 10cm Dicke nur 55kg wiegt. Sie werden in Dicken von 3 bis 20cm und in Größen bis zu 4qm hergestellt und bestehen aus Spreu, gehacktem Stroh, tierischen Haaren, Gips, Kalk und Leimwasser, welche Stoffe in hölzernen Gußformen innig gemengt werden. Die Masse trocknet sehr rasch, kann daher bald verwendet und auch auf dem Bauplatz angefertigt werden.

Die Tafeln haben der Länge nach durchgehende rechteckige Höhlungen. Sie sind in einem Mörtel mit 15 bis 20 Raumteilen Gipszusatz zu vermauern und erhalten einen Ueberzug von Gipsmörtel von nur 3 bis 5mm Dicke. Da wegen der Berohrung das Holzwerk, das in seiner Menge gegen gewöhnliche Fachwerkwände sehr verringert werden kann, einen dickeren Putz bekommt, so ist dasselbe etwas schwächer, als die Spreutafeln zu machen. Bei Umfassungswänden haben die Spreutafeln einen Wetterschutz, etwa durch Schindeln, wie Fig. 253 zeigt, zu erhalten. Eine Scheidewand ist in Fig. 254333) dargestellt.

Die älteste Ausfüllungsweise der Holzfachwerkwände ist

Ausfüllung mit Lehm. (171.)


325) Siehe: Bosc, E. Dictionnaire raisonné d'architecture. Bd. 1. Paris 1877. S. 473.
326) Siehe: Liger, F. Pans de bois et pans de fer. Paris 1867. S. 115.
327) Näheres über die Art der Ausführung nach den in den Fußnoten 325 u. 326 angegebenen Quellen in der 1. Auflage dieses Heftes (Art. 170, S. 195).
328) Ueber dieselben siehe: Baugwksztg. 1887, S. 688. — Ferner über »Gypsdielen, Schilfbretter, Spreutafeln, Holzseilbretter«: Deutsches Baugwksbl. 1889, S. 85. Haarmann's Zeitschr. f. Bauhdw. 1889, S. 6, 62, 66. Gewbbl. f. Hessen 1889, S. 44. Baugwksztg. 1893, S. 230 u. 1181 — ferner: Lange, W. Der Barackenbau. Leipzig 1895. S. 52.
329) Siehe: Schindler-Escher, C. Klein aber Mein. II. Heft. Zürich 1887. S. 9 — sowie: Deutsches Baugwksbl. 1883, S. 494 (nach: Schweiz. Bauz.).
330) A. a. O., S. 11.
331) Siehe: Deutsches Baugwksbl. 1884, S. 124.
332) Ueber dieselben siehe: Baugwksztg. 1893, S. 331 — ferner: Lange, a. a. O., S. 66.
333) Nach: Gewbbl. f. Hessen 1889, S. 264. — Vergl. auch: Deutsches Baugwksbl. 1889, S. 297.



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Grafik: Fig. 254333) 1/100 w. Gr.

wohl die mit Hilfe von Lehm, und zwar in den Formen von Lehmsteinen, Lehmpatzen oder Ausstakung. Wegen der mancherlei Mißstände, welche diese Bauweise fast in noch höherem Maße, als die der ganz aus Lehm aufgeführten Mauern aufweist 334), ist sie zumeist für Umfassungswände und für Wände von Räumen, in denen Feuchtigkeit entwickelt wird, außer Gebrauch gekommen. Nur in sehr ärmlichen oder in der Kultur zurückgebliebenen Gegenden ist sie noch üblich, sollte aber auch da nur mit einem schützenden Behang der Außenwände benutzt werden.

Lehmsteine und Lehmpatzen haben ein größeres Format als Backsteine (vergl. Art. 30 u. 31, S. 42 u. 43); daher muß auch das Holzwerk der Fachwerkwände bei Verwendung ersterer stärker gemacht werden als gewöhnlich bei letzteren. Dies ist auch bei der Ausstakung der Fall, welche in Mittel- und Süddeutschland auf dem Lande noch sehr im Gebrauch ist.

Für die Ausstakung werden Schwellen, Rahmen und Riegel mit 3 bis 4cm tiefen, gewöhnlich dreieckigen Nuten versehen und in diese die zugespitzten Stakhölzer (auch Stück- oder Stickhölzer genannt), welche aus Klafterholz, Klötzen, Schwarten oder Brettern in der der Fachhöhe entsprechenden Länge gespalten werden, eingetrieben.

Die weitere Ausfüllung erfolgt in verschiedener Weise. Die Stakhölzer werden nämlich entweder vor oder nach dem Einstellen mit Strohlehm umwickelt335) oder gewöhnlicher in kleinen Abständen eingestellt und dann mit Strohlehm ausgeworfen, oder dieselben werden weiter gesetzt und mit Weidenruten (Fitzgerten, Fachgerten) oder etwa 2,5cm starken Stäben durchflochten. Dises Flechtwerk (im Vogelsberg »Geschlier« genannt) wird ebenso, wie die mit Wickelhölzern ausgeführte Ausstakung mit Strohlehm verstrichen und dann getüncht.

Für die Ausstakung ist eine mehrfache Verriegelung der Wände unentbehrlich, was nicht ohne Einfluß auf die Entwickelung des mittel- und süddeutschen Fachwerkbaues gewesen ist.


Verblendung. (2)


Allgemeines. (172.)

Die Verblendung der Holzfachwerkwände kommt in der Regel nur bei Umfassungen vor, ausnahmsweise wohl auch im Inneren der Gebäude, um das Holzwerk vor schädlichen Einwirkungen zu sichern. Bei den Umfassungswänden kann sie außen oder innen angebracht werden. Im ersten Falle soll sie entweder die Wand nur verdicken, um sie widerstandsfähiger gegen Witterungseinflüsse zu machen, oder sie soll derselben einen gewissen Grad von Feuersicherheit verleihen, oder man beabsichtigt, dem Holzfachwerk das Ansehen eines massiven Gebäudes zu geben. Im zweiten Falle hat man gewöhnlich nur die Erzielung einer warmhaltenden Wand und etwas größerer Feuersicherheit im Auge. Die noch zu besprechenden Mängel der Verblendung lassen dieselbe im allgemeinen als eine unzweckmäßige Anord-

333) Nach: Gewbbl. f. Hessen 1889, S. 264. — Vergl. auch: Deutsches Baugwksbl. 1889, S. 297.
334) Vergl. Kap. 2 (Art. 30 u. 31, S. 42).
335) Ausführliche Darstellung, allerdings mit Beziehung auf Ausstaken der Balkengefache, in: Heusinger v. Wald. egg, E. Der Gypsbrenner u. s. w. Leipzig 1867. S. 127 — ebenso in: Fink, F. Der Tüncher u. s. w. Leipzig 1866, S. 108.



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nung erscheinen, so daß sie füglich hier übergangen werden könnte, wenn nicht mehrfach die Baupolizeiordnungen dieselbe mit Rücksicht auf Feuersicherheit in einzelnen Fällen verlangten.

Die Berliner Baupolizeiordnung vom 15. Januar 1887 schreibt in dieser Beziehung in § 6 vor: »Die Umfassungswände von Fachwerkgebäuden sind, soweit sie von öffentlichen Straßen, Nachbargrenzen oder Gebäuden auf demselben Grundstücke nicht mindestens 6m entfernt bleiben, 12cm stark massiv zu verblenden.«

Ein Erlaß des württembergischen Ministeriums des Innern vom 28. April 1882 besagt: »Eine auf Fachwerk angebrachte solide Verblendung ist, wenn sie auch nicht vollen Schutz gegen Feuermitteilung gewährt, doch im stande, die Uebertragung eines in der Nachbarschaft ausgebrochenen Brandes auf das verblendete Gebäude zu erschweren und zu verzögern; die Herstellung einer solchen Verblendung aus feuerpolizeilichen Rücksichten ist daher mit Bezug auf § 368, Nr. 8, R.-Str.-G.-B. wohl geboten336)

Grafik: Fig. 255337), Fig. 256337): 1/50 w. Gr.


Backsteinverblendung. (173.)

Durch die 1/2 Stein starke Verblendung wird die 1/2 Stein dicke Fachwerkwand auf 1 Stein Stärke gebracht. Wird erstere außen angeordnet, so ist sie mit der Fachausmauerung in regelrechtem Verbande gleichzeitig auszuführen (Fig. 255 u. 256337).

Aus den in Art. 164 (S. 171) angegebenen Gründen ist hier für die Herstellung des Mauerwerkes gleichfalls Kalkcementmörtel empfehlenswert; auch erhält durch denselben das in seinem Verband durch die Hölzer, mit denen es sich nicht verbindet, gestörte Mauerwerk rascher einen festen Zusammenhang. Beseitigt wird jedoch dadurch nicht der Hauptmangel der Bauweise: das ungleichmäßige Setzen derselben, was namentlich durch die wagrechten Verbandhölzer herbeigeführt wird. Diese trocknen zusammen, lösen sich vom Mauerwerk los, so daß nun der in das Fachwerk greifende Teil desselben von der Vormauerung getragen werden muß. An einigen Stellen bleibt wohl auch die Ausmauerung durch das Holzwerk unterstützt; sie kann infolgedessen dem Setzen der Verblendung nicht folgen, und es bilden sich wagrechte Risse in dieser, die nicht nur die Standfestigkeit, sondern auch die Feuersicherheit beeinträchtigen.

Ein fernerer Mangel der Verblendung ist der, daß beim Putzen der Innenseite das Holzwerk in eine ringsum eingeschlossene Lage kommt, welche bei Verwendung ganz trockenen Holzes und beständiger Trockenhaltung desselben seiner Erhaltung allerdings förderlich sein würde. Diese Vorbedingungen sind aber schwierig zu erfüllen, bezw. überhaupt nicht die Trockenhaltung, da das Mauerwerk feucht vermauert werden muß und ohne eine schützende Verkleidung immer wieder von Schlagregen durchfeuchtet wird. Die in das Holz eingedrungene Feuchtigkeit kann nur schwer und langsam wieder verdunsten, so daß der Entstehung von Fäulnis und Hausschwamm Vorschub geleistet ist. Außerdem ist diese Bauweise durchaus nicht billig, da eine 1 Stein starke, ganz aus Backsteinen hergestellte Mauer weniger kosten muß, weil bei ihr das Holzwerk wegfällt und der Arbeitslohn geringer ist. Eine solche Wand wird sogar nicht wohlfeiler, sondern eher teuerer, als eine 11/2 Stein starke massive

336) Nach: Deutsche Bauz. 1885, S. 168.
337) Entworfen mit Benutzung von Abbildungen in: Breymann, G. A. Allgemeine Bau-Constructions-Lehre u. s. w. Teil I. 5. Aufl. Stuttgart 1881.



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ausfallen338). Man sollte sich mit der Anwendung derselben daher auf solche Fälle beschränken, wo sie von der Baupolizei vorgeschrieben ist oder wo der gegebene Raum die Ausführung einer stärkeren Mauer nicht gestattet, aber die Standfestigkeit einer solchen erforderlich ist.

Grafik: Fig. 257 1/50 w. Gr.

Eine vermeintliche Ersparnis versucht man mitunter dadurch herbeizuführen, daß man die eigentliche Ausmauerung wegläßt, nur das Holzwerk mit Steinen einschließt, welche in die Vormauerung einbinden, und die letztere durch Stichanker am Holze noch befestigt (Fig. 257). Bei unerheblicher Ersparnis sind hier die Mängel der vorher besprochenen Konstruktion nicht beseitigt, sondern nur durch neue vermehrt worden, unter denen der wesentlichste der sein dürfte, daß bei einem ausgebrochenen Brande solche Wände sehr rasch einstürzen müssen.

Innere Verblendungen der Umfassungswände von Gebäuden führt man mitunter ohne Verband mit der Fachausmauerung, nur durch Mörtel mit derselben verbunden, von Hohlsteinen aus, um die Wärmeleitungsfähigkeit der Wände herabzusetzen. Man begnügt sich dabei wohl auch mit einer 1/4 Stein starken, aus hochkantig gestellten Steinen gebildeten Verblendung. Besser ist es aber jedenfalls, eine Verstärkung der Fachwerkwände nach innen zu in Verband mit der Fachausmauerung herzustellen. Hierdurch wird mitunter die Anwendung von Holzfachwerken an solchen Orten ermöglicht, wo derselben baupolizeiliche Bedenken entgegenstehen.


Plattenverblendung. (174.)

Holzfachwerkwände kann man auch mit Platten aus natürlichem oder künstlichem Stein (Cement, Terracotta) verblenden, wobei dieselben an der Ausmauerung durch Stichanker befestigt werden müssen339).


Putz. (3)


Allgemeines. (175.)

Der Putzmörtel haftet auf dem Holze schlecht, so daß man besonderer Vorkehrungen bedarf, um ihn an demselben zu befestigen; aber auch dann ist die Dauer keine lange, wenn die betreffende Wand der Witterung ausgesetzt ist. Man vermeidet deshalb gern den äußeren Putz von Umfassungswänden und kehrt dadurch zu der gesunderen Bauweise früherer Zeiten zurück, die erst im vorigen Jahrhundert verlassen wurde, um den Fachwerkgebäuden das Ansehen von steinernen Bauwerken zu geben. Im Inneren der Gebäude kann jedoch der Putz des Holzwerkes gewöhnlich nicht entbehrt und auch dort, wo keine Feuchtigkeit auf ihn einwirkt, bei Anwendung genügender Sorgfalt dauerhaft hergestellt werden, wenn auch Risse in demselben aus den früher angegebenen Gründen immer zu erwarten sind. Diese sind eben ein den Fachwerkwänden anhaftender Mangel.

Wo der Werkstoff der Fachausfüllung an den Außenseiten der Gebäude einen Putzüberzug nötig macht, also bei gewöhnlichen oder schwach gebrannten Backsteinen und manchen anderen künstlichen Steinen, Bruchsteinen, Ausstakung, beschränkt man denselben zweckmäßigerweise auf die Gefache und läßt das Holzwerk sichtbar.

338) Vergl. hierüber ebendas. S. 22.
339) Ueber Plattenverblendung siehe die 1. Auflage dieses Heftes (Art. 176, S. 199).



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Zum Putz verwendet man in der Regel Luftkalkmörtel; doch kann an trockenen Orten innerhalb der Gebäude auch Lehmmörtel benutzt werden.


Putz des Holzwerkes. (176.)

Die Arten der Befestigung des Putzes am Holzwerk der Fachwände sind dieselben, welche beim Putzen der Balkendecken ausgedehntere Anwendung finden, weshalb hier kurze Andeutungen genügen und auf die Besprechung jener verwiesen werden kann.

Die unzureichendste, aber doch noch vorkommende Vorbereitungsweise des Holzes ist das Aufhauen, Aufpicken, Rauhpicken oder Schuppen desselben, wobei mit der Queraxt oder einem scharfen Mauerhammer in Abständen von 2 bis 3cm abwechselnd in der Richtung durch Einhauen von oben nach unten Späne zur Hälfte vom Holze abgetrennt werden, hinter welchen der Mörtel seinen Halt finden soll. Dieser wird aber nicht dauernd erreicht, da der erstarrte Mörtel den durch das Quellen und Schwinden des Holzes verursachten Bewegungen desselben nicht zu folgen vermag.

Das üblichste und in Deutschland verbreitetste Verfahren ist das Berohren, wobei 9 bis 12mm starke Schilfstengel mittels Draht und sog. Rohrnägel am Holze in knapp ihrer Dicke entsprechenden Abständen befestigt werden. Diese Befestigungsweise gestattet einigermaßen eine vom Putz unabhängige Bewegung des Holzes. Förderlich ist hierbei, daß das Rohr unter der Einwirkung der Feuchtigkeit seinen Rauminhalt nicht verändert. Trotzdem ist das Entstehen von Rissen nicht verhindert. Um dies besser zu erreichen, wird empfohlen, zwischen Holz und Rohr eine Lage kräftiges Packpapier zu bringen, welche beiderseits je 5cm breit noch das Mauerwerk überdeckt. Zu demselben Zwecke läßt man übrigens auch häufig die Rohrstengel um ebensoviel über das Mauerwerk greifen. Die Möglichkeit hierzu ist bei allen Lagen der Hölzer vorhanden, da die Rohrstengel immer quer zur Faserrichtung befestigt werden sollen, um den Putz unabhängiger von der Bewegung des Holzes zu machen.

Für den ersten Anwurf setzt man demselben häufig, des schnelleren Anziehens wegen, etwas Gips zu. Dieser befördert aber das Rosten des Eisens, so daß namentlich hierbei ein Ueberzug (gewöhnlich von Fett) für Draht und Rohrnägel erforderlich ist.

In Gegenden, wo das Schilfrohr schwer zu haben ist, bedient man sich an Stelle desselben auch starkhalmigen Roggen- oder Weizenstrohes oder der Splitten oder der Spriegel.

Beim Bestrohen wird das Holz erst aufgepickt, dann eine Schicht Mörtel aufgetragen, in diese das Stroh gedrückt und dieses dann noch durch angenagelte Drahtzüge besestigt.

Das Bespriegeln oder Beruten besteht im Aufnageln von aufgerissenen Weiden-, Erlen- oder Haselruten in Abständen von 9 bis 12cm. Die runde Seite derselben kommt dabei auf das Holz zu liegen.

Beim Besplitten werden dünne, 2,0 bis 2,3m lange und 2,5cm breite Streifen von Eiche oder Haselnuß mit sog. Splittnägeln auf das Holz aufgenagelt, nachdem zuvor eine Schicht Lehm mit Stroh aufgebracht worden war.

An Stelle der zugeschnittenen Rohrstengel kann man auch ein Rohrgewebe oder Latten (Wurflatten, Pliesterlatten) oder ein Lattengeflecht verwenden, welche Mittel aber mehr bei ganz aus Holz bestehenden Wänden benutzt werden und daher bei diesen zur Besprechung gelangen sollen. Die Ausmauerung muß hierbei vor dem Holzwerk um die Lattendicke, bei Innehaltung der gewöhnlichen Putzstärke, vor-



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stehen. Die letzterwähnten Mittel, ebenso wie mancherlei in neuerer Zeit erfundene Drahtgewebe340) und eiserne Putzlatten kann man auch für die ganzen Wandflächen anwenden und damit bei Verstärkung der Ständer Hohlräume in Wänden erzielen.

Ueber den so vorbereiteten Holzflächen wird der Putz nun gleichzeitig mit dem auf den Gefachen in der in Kap. 4 beschriebenen und für innere Wandflächen später noch zu besprechenden Weise ausgeführt.

Einen verhältnismäßig dauerhaften äußeren Wandputz auf berohrten Holzflächen soll man mit Mörtel aus bestem Portlandcement und 5 bis 8 Teilen rein gewaschenem Quarzsand in mindestens 2,5cm Dicke herstellen können. Dieser soll wegen seiner Porigkeit den Luftzutritt zum Holze gestatten, dagegen die Feuchtigkeit so lange in sich festhalten, bis sie beim Wiedereintritt höherer Wärme verdunstet341).

Aber auch bei dieser Herstellungsweise werden an mehrstöckigen Gebäuden die Stellen der Balkenlagen, wo dreimal Langholz (Rahmen, Balken, Saumschwelle) übereinander zu liegen kommt, wo also ein nicht unbeträchtliches Setzen eintreten muß, diejenigen sein, wo der Putz immer berstet, weil er der Bewegung nicht folgen kann. Dies spricht sehr dafür, den äußeren Putz der Holzteile der Fachwerkwände zu unterlassen.

Da hierfür noch genugsam andere Gründe vorhanden sind, so verzichten wir darauf, ein zur Beseitigung des eben angeführten Uebelstandes angegebenes Mittel342), Entlastung der Saumschwellen vom Ständerdruck, näher zu besprechen. Es möchte sich dieses nur bei Erneuerung des Putzes schon bestehender Gebäude zur Anwendung empfehlen.

Innenwände werden unter der in Art. 175 (S. 178) angegebenen Einschränkung namentlich dann, wenn deren Gefache mit Hilfe von Lehm ausgefüllt wurden, auch mit Putz von Strohlehm überzogen343). Es mag hier — nähere Ausführung folgt in Teil III, Band 3, Heft 3 dieses »Handbuches« — die Andeutung genügen, daß der 1,5 bis 2,5cm starke Lehmputz, nachdem er »bunt gemacht«, d. h. mit einem geeigneten Werkzeug kreuzweise mit Furchen versehen worden und ehe er ganz abgetrocknet ist, mit einer etwa 6mm dicken Tünche von Haarkalk oder auch von Lehm überzogen wird.

In Thüringen344) wird der Strohlehmputz als sog. Mantel, 3 bis 5cm dick, auch an Außenwänden angebracht und mit einer 0,5 bis 1,0cm starken Tünche aus Lehm, Lederkalk und Flachsscheven überzogen. Diese Herstellungsweise soll das Holz gesund erhalten und sich als dauerhaft bewähren, was wohl damit zusammenhängt, daß der zum Ausmauern der Gefache meist verwendete Kalktuff durch sein löcheriges Gefüge dem Putz einen guten Halt bietet.


Putz der Gefache. (177.)

In neuerer Zeit wird bei den Fachwerkbauten mit geputzten Gesachen in der Regel der Putz hinter die Flucht des Holzwerkes zurückgesetzt, um an diesem Raum für eine als Zierde angebrachte Abfasung zu gewinnen. Aus den in Art. 164 (S. 172) für die Ausmauerung angegebenen Gründen empfiehlt es sich jedoch mehr, hierbei ebenfalls dem alten Gebrauche zu folgen und den Putz in eine Flucht mit dem Holz zu bringen. Selbstredend muß dann die Ausmauerung des Faches um die Putzdicke zurückgesetzt und dementsprechend die Holzstärke bemessen werden.

Des Vorteiles dieser Anordnung geht man allerdings wieder verlustig, wenn man, wie dies vorgeschlagen wird345), den Putz durch eine Fuge vom Holz scharf abtrennt, um die feinen Trennungsrisse weniger sichtbar zu machen. Es ist jedoch

340) Ueber verzinkte Drahtgeflechte (Pliestergeflecht) siehe: Baugwksztg. 1894, S. 896. — Zeitschr. f. Bauhdw. 1897, S. 12.
341) Siehe: Deutsche Bauz. 1875, S. 311.
342) Siehe: Gewbbl. f. Hessen 1881, S. 241.
343) Ausführliche Darstellung in: Heusinger v. Waldegg, E. Der Gypsbrenner u. s. w. Leipzig 1867. S. 132.
344) Siehe: Deutsches Baugwksbl. 1885, S. 279.
345) Siehe: Fleischinger & Becker, a. a. O., S. 3.



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nicht zu verkennen, daß, wenn diese Fuge als Abfasung der Putzränder behandelt wird, der Putz selbst den Einwirkungen der Holzbewegung entzogen und gegen die Einflüsse der Witterung unempfindlicher, also dauerhafter gemacht wird.

Grafik: Fig. 258346)

Ein Beispiel dieser Art von einem alten Hause in Braunschweig ist in Fig. 258346) dargestellt worden.

Die erwähnten Putzfasen wirken zugleich als einfache Verzierung der Wandflächen.

Erwähnung verdient hier auch eine andere, bäuerliche Verzierungsweise, welche sich namentlich in Oberhessen bis zum heutigen Tage in Uebung erhalten hat, allerdings jetzt im Aussterben begriffen ist und im Anbringen von slach in den Putz eingedrückten Ornamenten besteht.

Nach Schäfer347) besteht das Verfahren in folgendem.

Grafik: Fig. 259348)

Der ziemlich sette Kalkputz wird in einer Schicht aufgetragen, dann mit einem feinen Reiserbesen alsbald gestippt, nun das anzubringende Ornament mit einer metallenen Spitze in den Umrissen aufgezeichnet und mit dem Modellierholz oder Modelliereisen flach eingedrückt. Zweckmäßigerweise wird auch gewöhnlich das Gefach mit einem glatt gestrichenen Streifen umrahmt. Die Verzierung muß vorgenommen werden, so lange der Putz noch halb feucht ist. Ehe er ganz trocknet, wird das Ornament und der Randstreifen mit Weißkalk bemalt.

Der Putz wurde bei älteren süddeutschen, bezw. schweizerischen Fachwerkbauten mitunter auch benutzt, um den zur Verzierung angebrachten, oft aus krumm gewachsenem Holze hergestellten Bügenkreuzen reichere Umrißlinien zu geben, ohne das Holz der ganzen Stärke nach so aussehneiden zu müssen, was auch für die Ausmauerung sehr unbequem wäre. Gladbach348) teilt das in Fig. 259 wiedergegebene Beispiel aus Stein am Rhein mit. Das feinere Ornament wurde nur einige Millimeter tief aus dem Holze herausgeschnitten, der Grund rauh gemacht und dieser dann mit dem Kalkbewurf und dem weißen Anstrich des Gesaches bedeckt.

346) Nach: Liebold, B., a. a. O., S. 26.
347) Siehe: Deutsche Bauz. 1879, S. 337.
348) In: Der Schweizer Holzstil. II. Serie. Zürich 1883. S. 4.

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